Stefans Abenteuer im Land der fehlenden Berge und in der Physik
Über mich
StefanIch bin seit Juni 2007 Doktorand an der TU Delft, Niederlande. Neben (theoretischer) Physik interessiere ich mich für Politik, Bücher aller Art und Radfahren. Für weiteres, siehe meine Homepage.
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Dienstag, 31. Mai 2011

Mal wieder (langsam hab ich Routine drin)

Zur Information der Allgemeinheit: Ich bin mal wieder umgezogen -- leider konnte ich den Plan, mein nächster Umzug würde mich wieder zurück nach Deutschland führen, doch nicht in die Tat umsetzen. Denn, erstens kommt es nicht so wie man zweitens denkt. Geplant war, dass Nestor, Joost und ich bis zum Ende meiner Promotion bzw. Joost's Master in unserer WG bleiben. Doch da kam der Geschäftssinn unseres Vermieters dazwischen. Sein Plan: Man nehme unseres schickes (inzwischen Ex-)Wohnzimmer, ziehe eine Wand ein und mache daraus zwei weitere Räume. Da in Delft auch die allerkleinsten Hasenställe noch dankbare Studenten als Mieter finden, wohl ein Plan der ihm ein paar hundert Euro mehr im Monat einbringt -- uns jedoch wieder auf Wohnungssuche geschickt hat.

Nun, Wohnungssuche ist in Delft/Den Haag ein Alptraum. Erstens gibt es wenig bezahlbare Angebote, die ihr Geld auch wert sind (200 Euro für ein 6m^2 Zimmer -- kein Problem). Zweitens läuft hier fast nichts ohne Makler. Ergo, eine Monatsmiete geht als Kommission drauf. Wobei ich hier dieses mal extremes Glück hatte: via kamernet.nl, einem studentischen Wohnungsmarkt, hab ich jetzt nämlich ein Zimmer wieder direkt in der Altstadt gefunden. Ohne Maklergebühren. Leider ist es wieder so ein Zimmer in einem unrenovierten Altbau (Isolierung, war da was?) in einem typischen holländischen studentehuis. Sprich, ich teile Küche und Bad mit Mitbewohnern. Nicht so schlecht, aber abgesehen vom Badteilen scheint es kein wirkliches WG-Leben zu geben (meine Vormieterin konnte mir z.B. nichts über ihre Mitbewohner sagen -- das spricht ja Bände). Eigentlich hatte ich mir vor zwei Jahren geschworen, nie wieder in ein solches zu ziehen. Aber naja. Für ein paar Monate wird's wohl reichen.

Wenn ich es jetzt recht gezählt habe, ist das jetzt mein neunter Umzug in zehneinhalb Jahren. Positiv daran ist, dass ich jetzt schon beinahe im Schlaf meine Möbel demontieren kann. Die schlechte Seite daran ist, dass Billigmöbel häufiges umziehen nur bedingt verzeihen -- mein Bett konnte ich nach diesem Umzug nur mit viel Überredungskunst dazu überreden sich wieder einigermassen stabil zusammenbauen zu lassen.

Edit: Nur ein paar Minuten nachdem ich diesen Eintrag gepostet hatte, klingelte das Telefon. Am Apparat, ein besser anonym bleibender Immobilienmakler, den ich vor gut anderthalb Monaten wegen einer Wohnung per Mail kontaktiert hatte. Ja, also sie hätten erst jetzt meine Mail gesehen und wenn ich wollte, dann könnte ich morgen mir die besagte Wohnung anschauen. Dankend lehnte ich ab. Denn für solch prompten Service eine Monatsmiete Kommission zu zahlen, sehe ich schon gar nicht ein (abgesehen davon, dass ich keine neue Wohnung mehr brauche).

Sonntag, 27. Februar 2011

Schweizer sind auch überall

Wenn man längere Zeit im Ausland ist, wird man irgendwann in linguistischer Hinsicht paranoid: Hin und wieder glaubt man, dass man gerade einen Fetzen Deutsch aufgeschnappt hat. Meistens ist das natürlich nicht der Fall (außer man stellt sich auf den Standpunkt, Niederländisch sei nur durch den Mixer gejagtes Deutsch -- in diesem Falle höre ich es ständig), hin und wieder aber doch. So gestern, als ich auf dem Weg ins Fitnessstudio war. Da laufe ich im Bahnhof von Den Haag an einem indisch aussehenden Mann vorbei und glaube -- genau -- Schwitzerdütsch zu hören. Das löst natürlich eine kognitive Dissonanz allererster Güte aus. Ein Inder oder indischstämmiger Mann in Den Haag zu sehen an sich ist ja nichts besonderes (die Holländer haben ja tausende Inder während ihrer Kolonialherrschaft nach Surinam "importiert", welche dann seit der Unabhängigkeit in die Niederlande übersiedelten). Aber dass ein solcher Mensch in Den Haag am Bahnhof ein Handygespräch im tiefsten Schitzerdütsch führen soll -- nein, da passt etwas nicht zusammen. Also bleibe ich stehen und höre nochmal genau hin. In der Tat: Es ist Schweizerdeutsch. Es geht im Gespräch anscheinend darum, dass er mit dem Velo (strike!) nach Den Haag uffi (strike!) gegangen ist und jetzt am Bahnhof auf dem Perron (strike!) auf weiss-gott-wen wartet. Ich bin also noch nicht paranoid sondern nur über einen sehr pathologischen Sonderfall gestolpert: ein indischstämmiger Schweizer in den Niederlanden -- die Globalisierung macht's möglich.

Mittwoch, 10. November 2010

Zum Glück Naturwissenschaftler!

Gerade stolpere ich bei Spargel Online über einen Artikel über die Uni Konstanz: Die Uni-Bibliothek (als vielgereister Kritiker von Universitätsbibliotheken immer noch meine liebste) ist bis auf weiteres geschlossen -- asbestverseucht ist sie (siehe Spargel Online hier, Südkurier hier, da, dort und dort). Als langjähriger Bewohner der naturwissenschaftlichen Bibliothek wusste ich schon immer, dass "unsere" Bib die schönere Bibliothek in Konstanz war. Und jetzt kommt noch ein weiterer Grund dazu: die Luft in der N-Bib ist wohl gesünder -- denn dort wurde (noch?) kein Asbest gefunden.

In Konstanz gab es immer das Gerücht, es gebe Exkursionen der Architekturstudenten von der FH an die Uni, um zu studieren, was so gebaut wurde wie es eigentlich nicht gebaut werden hätte sollen bzw. dürfen. Falls es in der Tat solche Exkursionen gibt, kann nun ein weiterer Programmpunkt hinzugefügt werden: Asbest in der Bibliothek verbauen ist keine gute Idee -- außer man will ein paar Jahrzehnte später alle Bücher abstauben. Und bei zwei oder so Millionen kann das eine Weile dauern.

Mittwoch, 1. September 2010

Fahrkartenkauf leichtgemacht

In den letzen Wochen durfte ich mehreren Kollegen und Freunden hier die Vorzüge des Tarifssystems der Deutschen Bahn erklären, weil sie dringend zu Konferenzen nach Bonn mussten oder das Bedürfnis haben, die Wunder des Ruhrgebiets bzw. Berlins für wenig Geld zu erkunden. Was nun folgt, ist sozusagen der "director's cut -- extended edition" der Erklärung:

People who champion complicated tasks, are usually admired by their contemporaries. Neurosurgeons, for example, manage to poke around your brain without (at least on their good days) messing you up too much -- a task, the less motorically gifted among us completely suck at. Therefore we admire those who champion it. On a similar footing we should admire those people who have a grasp of the fare system and ticket machines of Deutsche Bahn, Germany's railway company -- not because buying a ticket requires outstanding motorical skills, but because you need to complete a decision tree of astounding complexity in order to do so.

Buying a train ticket sounds simple enough: You just have to know where you want to go when. Well, that's not even half of the story -- at least in Germany at ticket machines. Do you happen to have a 25 per cent discount card for second class? Or a 25 per cent discount card for first class? Or the 50 per cent discout card for either first or second class? No? So maybe you have
a 100 per cent reduction card? And while we are at it: What kind of train do you want to take? The regional IRE, S or RE trains, some intercity or eurocity train, or even the highspeed ICE train? Do you want to leave now, today or somewhen else? Oh, and by the way, do you need a connecting ticket for public transport at your destination? And last but not least, are you interested in collecting bonus points? And finally: How do you want to pay? Cash? Credit or debit card? Or you want to be billed via your discount card? If cash, be advised that most ticket machines only accept bills worth 20 Euros or less, and even those only very reluctantly. Plus, all change is given in one Euro coins or less -- you'll win a checkpot! Well, that was just to give you a flavor how it is to buy a simple train ticket at a machine in Germany.

But we haven't even scratched the surface. Take for example a bike with you. After going through with selecting your flavour of discount card, destination and favourite train type, you end up with a ticket for you, but not a ticket for your bicycle -- those are found in a very obvious location: Select "Special Tickets", then "Regional Tickets" followed by "Leisure time tickets" or something similar outrageous in the main menu. Crazy isn't it? Or another thing: In many areas all public transport (trains, buses, subway, donkeys..) are integrated into some regional public transport network. That means, that while outside the area of whatever public transport in question you can buy a ticket from every place in the network's area to any other, you can't while you are in it. Then, the ticket machines will still collect all information (25, 50 or 100 per cent discount card for either first or second class, a desire for bonus points, the works) in order to inform you just when you get ready to pay that you are not at the right machine. The ticket machine for your local public transport network is somewhere else -- usually in some remote, damp corner of the trainstation.

But that's still not enough. The real fun starts, when you try to safe money by looking for special offers. You can safe tons of money by buying tickets which are restricted to specific connections. However, the logic according to what connections are cheaper cannot be the human one. Take for example a trip from my hometown Friedrichshafen to Cologne. The simplest way is taking the
daily intercity and six hours later you are there. But last time I took this route, I got hold of a cheaper special ticket by leaving my hometown five minutes after the intercity in a regional train, changing after an hour in Ulm to some random intercity and finally change again in Stuttgart (the next stop after Ulm) to the intercity that has just left my hometown five minutes before me (why a connection involving a regional train that stops in every village on the way is faster than an intercity on the same itinerary is yet another thing that baffles me). Summary: five minutes travel time and almost half of the full price saved for the price of two changes. But one can even save more money, if one is masochistic enough to limit ones journey to regional trains only. Because then, you also have the option to buy flat fee tickets (the mysterious Schöne-Wochende-Ticket and Länder-Tickets) and then travel all day long or till you can't take it any more -- in my experience, the former usually comes first.

So let me slowly stop. I guess I have sufficiently demonstrated, that making the right decision when it comes to buying the right train ticket in Germany, it takes at least the intellectual capability of a moderately intelligent genius. If you don't have that capabillity, you either pay too much, spend hours in front of the ticket machine or are kicked out of the train by German railway's friendly staff for having a ticket but not quite the right one. Wonder why I still love taking trains -- either I am just a masochist and don't want to miss out on that experience or I love the intellectual challenge of going through the ticket acquisition process, which is a welcome change from the theoretical physics I do every day.

P.S.: An niederländischen Automaten kriegt man sein Ticket innerhalb von 30 Sekunden: Einfach oder Rückfahrticket, Ziel, Klasse, Bonuskarte ja/nein und Zahlungsmethode in einem einzigen Schirm auswählen, PIN eingeben und fertig. Es geht also.

Montag, 5. Juli 2010

Unterhaltung der seltsamen Art

Eine ZEIT zu kaufen ist eigentlich nichts, worüber es sich lohnt, zu schreiben -- mach ich ja (fast) jede Woche. Dieses mal jedoch kam es dabei zu einer Unterhaltung der etwas seltsamen Art. Die Titelgeschichte diese Woche ist ja "Rettet die deutsche Sprache!". Wie ich also in Friedrichshafen so meine ZEIT kaufe, wirft die Verkäuferin einen Blick auf die Titelseite und bemerkt, "es wäre doch wirklich Schade, wenn das Deutsche verschwinden würde". Meine Antwort war wohl eher in die Richtung, dass es doch etwas arg übertrieben sei (nach meiner Erfahrung: je mehr Sprecher eine Sprache hat, desto besessener sind dieselbigen von der Angst, Englisch könnte ihre Sprache verdrängen). Nun, im Schnelldurchgang erörtern wir, ob nun Englisch in der Tat eine häßliche ("diese Kaugummisprache, einfach gräßlich", so die Verkäuferin) oder doch eine schöne Sprache ist (meine bescheidene Meinung). So weit ein typischer Smalltalk am Zeitungskiosk. Doch dann wechselt die Verkäuferin plötzlich das Thema: Ob ich denn wüsste, dass Gott einem Menschen innerhalb einer Sekunde eine neue Zungensprache beibringen könne? Aha.... nein, wusste ich nicht. Mein heftiges Augenrollen und mehr als unenthusiastische Antwort hält sie jedoch nicht ab, fortzufahren. Also Gott hätte ihr die Sprache von Mekka beigebracht, und jetzt würde sie immer zu den Türken (wohl in die Häfler Moschee?) zum missionieren gehen -- noch mehr Augenrollen meinerseits, langsam bereite ich den Rückzug zum Fahrrad vor. Die Bemerkung, dass Arabischkenntnisse bei Unterhaltungen mit Türken in etwa so sinnvoll sind, wie profunde Finnischkenntnisse bei Unterhaltungen mit Italienern spar ich mir. Während ich mich aufs Rad schwinge, bekomme ich auch noch eine Demonstration der "Zungensprache von Mekka": "allasod quodifadf dkjfweow" oder eine ähnliche zufällige Abfolge von Konsonanten und Vokalen. Oh Mann, dass es solche Leute tatsächlich gibt...

Montag, 21. Juni 2010

Wo komm ich her?

Vor ein paar Wochen hatte ich das Vergnügen, in der Jugendherberge in Aachen zu übernachten (der eigentliche Grund war, dass ich am nächsten Tag von Aachen nach Bonn radeln aber nicht schon morgens um fünf zum Zug hetzen wollte). Und wie es so ist, man trifft dann irgendwann auf seine
Zimmergenossen und manchmal ergibt sich eine nette Unterhaltung. So auch in Aachen. Mein Zimmergenosse war ein Franzose (den Namen habe ich inzwischen schon wieder vergessen..) und wir reden einige Zeit darüber, wo wir herkommen und so weiter und so weiter. Nach einiger Zeit bemerkt er dann (wir haben uns auf Deutsch unterhalten), mein Deutsch wäre ja sehr gut, ich könnte ja beinahe für einen Muttersprachler durchgehen. Danke für das Kompliment, Hochdeutsch ist ja in der Tat meine erste Fremdsprache, meine Muttersprache ist ja tiefstes Oberschwäbisch (das kann ich sogar anhand historischer Tonbandaufnahmen belegen). Aber eigentlich ist das Problem ja ein ganz anderes: Auf seine Frage, wo ich herkomme, habe ich ohne viel Nachzudenken "Delft, liegt bei Den Haag" geantwortet. Stimmte ja auch in wahrsten Sinn des Wortes. Aber ist es auch "zu Hause"? Jein. Wenn ich in Delft Freunden von irgendwas "back home" erzähle, meine ich Friedrichshafen. Aber wenn ich in Friedrichshafen bin, meine ich mit "daheim" natürlich Delft. So weit, so konfus. Wobei wir uns jetzt in Delft (die meisten meiner Freunde haben ja das gleiche Problem) eine semantische Brücke gebaut haben: wir unterscheiden "home" und "home home" -- ersteres wäre Delft, letzteres (in meinem Fall) eine gewisse Metropole 1000 km rheinaufwärts.

Freitag, 21. Mai 2010

Langweilig

Ob nun Bela, Farin, Rod wirklich Gott sind, bleibt dahingestellt (ich persönlich bin in dieser Hinsicht Agnostiker). Aber zumindestens prophetische Fähigkeiten haben die Drei. Denn ihr Song "Langweilig" beschreibt meine gegenwärtige Situation ziemlich treffend:


Ich sitze auf meinem Stuhl und ich schaue aus dem Fenster, [Sicht, je nach Smog: 5km oder 0 Meter]
und ich stell' mir wieder mal die alten Fragen: Wo komm ich her? [ Delft oder Friedrichshafen?] Wo geh' ich hin? [bald zurück nach Delft, aber dann?] Und wie viel Zeit werd' ich noch haben? [die Antwort hier ist klar: Noch 370 Tage bis zum Ende meines Vertrages]
Ich denke nach über die Welt,
über das was wirklich zählt. [Physik, was sonst?]
Ich weiß genau, was mich so quält. [leider auch die Physik -- denn als Wissenschaftler ist man ja auch immer ein bisschen Masochist]




Ich bin genervt, ich bin frustriert, [wieso wollte mir die Mathematik heute partout nicht gehorchen?],
weil hier einfach nichts passiert, [gucke zum Zweiten mal Staffeln 1-3 von The Big Bang Theory]
weil hier nie etwas passiert. [kein großes Nachtleben in der Nähe meines Wohnheims -- wenn man mal vom Autoverkehr vor meinem Fenster absieht]
Und ich schau wieder auf die Uhr. [Mist, immer noch nicht Zeit, ins Bett zu gehen]



[Und daher:] Mir ist langweilig,
sterbenslangweilig,
mir ist langweilig,
ohne Dich, ohne Dich.
Scheiße langweilig,
mir ist langweilig,
so stinklangweilig,
ohne Dich, ohne Dich
ist mir langweilig.



Sieben Wochen in China! Shanghai! Und das als Dienstreise als gemeiner Doktorand hört sich großartig an und ist es auch. Aber es hat auch eine langweilige Seite: Denn was macht man jeden Abend, nachdem man in sein karg möbliertes Zimmer im Wohnheim zurückgekehrt ist, es aber noch nicht Zeit ist ins Bett zu gehen? Genau: Nichts. Nach vier Wochen hier, haben Fatemeh, meine aus Delft mitgebrachte Kollegin, und ich sämtliche Anekdoten aus unseren Leben gegenseitig erzählt. Politik und Geschichte unsere Herkunftsländer sind ausführlichst diskutiert und sowohl mit den Niederlanden als auch China verglichen worden. Die Shopping Mall in der Nähe ausführlichst erkundigt -- nicht, dass ich etwas bräuchte. Und nun hat die abendliche Langeweile einzug gehalten. Ich schaue mich zum wiederholten male durch "The Big Bang Theory", erkundige die exotischeren Teile meiner Musiksammlung (Erkenntnis: Lou Reed ist gar nicht so schlecht), schaue aus dem Fenster und langweile mich, bis es Zeit ist ins Bett zu gehen. Das wäre jetzt.

Montag, 1. März 2010

Sachen gibt's

Mir war gerade langweilig, und was macht man da? Man guckt mal ein bisschen bei Wikipedia rum. Da findet sich ja bekanntlich allerhand Trivia. So zum Beispiel beim Eintrag (in der englischen Wikipedia) für Pretzel:
2003: Pennsylvania Governor Ed Rendell declares April 26 National
Pretzel Day to acknowledge the importance of the pretzel to the
state's history and economy.
Ich habe ja schon immer geahnt, dass mein Geburtstag eines Tages zum Feiertag erklärt wird. Aber dass es tatsächlich schon geschehen ist, war mir neu. Und natürlich haben sie meinen Nachnamen falsch geschrieben. Es sollte natürlich "National Bretzel Day" und nicht "National Pretzel Day" heissen. Und ausserdem sollte es ja sicherlich heissen "...to acknowledge the importance of the Bretzels" ;-)

Donnerstag, 28. Januar 2010

Eine Illustration des Dunning-Kruger-Effekts

Der Dunning-Kruger-Effekt beschreibt die Tatsache, dass sich inkompetente Menschen in der Regel über- und die Fähigkeiten kompetenter Menschen unterschätzen. Dunning und Kruger hatten bei Studien festgestellt, dass zum Beispiel beim Erfassen von Texten Unwissenheit zu mehr Selbstvertrauen führt als Wissen. Diese Erkenntnis war so bahnbrechend, dass es im Jahr 2000 hierfür den Ig-Nobelpreis gab. Fairerweise sollte man den diesjährigen Ig-Nobelpreis dann an Günther Oettinger verleihen, da er eindrucksvoll illustriert, wie seine Selbsteinschätzung gut Englisch zu sprechen, in keinster Weise mit der Realität übereinstimmt:



Also wenn das gutes Englisch war, dann bin ich Shakespeare und hätte jährlich mindestens einen Pulitzer- sowie Literaturnobelpreis für meine Verdienste um die englische Sprache verdient.

In my younger and more vulnerable days, my English teacher gave me some good advice, I've been carrying around with me ever since: "It's a long way", he said, "so start walking." The same advice I would like to give our Inglischschbieking Minischterpräsident. But instead of walking, better take a space ship with warp drive. 'cause it is a really long way for you.

Montag, 4. Januar 2010

Der grosse Bahnfahren-Jahresrückblick

Nachdem jetzt schon wochenlang auf jedem Fernsehsender jahresgerückblickt wurde, hier mein ultimativer Jahresrückblick in Sachen Eisenbahnfahrten. Zwar liebe ich es, mit per Eisenbahn zu reisen. Egal. Was. Passiert. Aber: Sowohl Deutsche Bahn als auch NS (die holländische Bahn) haben ihr möglichstest getan, dies zu ändern.

Also, hier zu meiner kleinen, privaten, Bahnstatistik für das Jahr 2009:

  • 6 -- Anzahl der Fahrten von Friedrichshafen nach Delft.

  • 5 -- Anzahl der Fahrten von Delft nach Friedrichshafen (einmal bin ich geradelt).

  • 1 gravierendes Problem mit den Bremsen im ICE und daher nette 45 Minuten Aussicht auf Bahnsteig 4 in Köln ("Wir booten den Bordcomputer neu") sowie eine halbe Stunde Aussicht auf Düsseldorf Hauptbahnhof bis wir dann in Arnhem endgültig liegen blieben.

  • 1 ausgefallene Heizung im Zug am kältesten Tag des Jahres -- als Kind war ich davon fasziniert, dass es bei der Bahn auch Kühlwagen für Frischwaren gibt. Jetzt weiss ich, dass es ziemlich Scheisse ist, in einem selbigen zu sitzen.

  • 1 laufende und nicht abschaltbare Heizung im Zug am wärmsten Tag des Jahres -- wozu in die Sauna, wenn man auch Bahnfahren kann?

  • 2 Brezelfrühstücke um sechs Uhr morgens in Ulm -- denn der Nachtzug aus Amsterdam hat wohl immer mindestens zehn Minuten Verspätung.

  • 1 extra Nacht zu Hause bei meinen Eltern -- denn wer hätte gedacht, dass man schon zwischen Friedrichshafen und Ravensburg zehn Minuten Verspätung einfahren kann (und daher verpasste letzte Verbindung nach Holland)?

  • 3: Zahl der ICE International, die unvorgesehenerweise nicht in Amsterdam sondern schon in Köln endeten (gut, netterweise Stand meistens ziemlich schnell ein Ersatzzug für die Weiterfahrt bereit).

  • 2 virtuelle Sitzreservierungen -- Reservierungen für Sitze, die in Zughälften waren, die schlussendlich doch nicht fuhren. Und daher: Ein exklusiver Stehplatz von Frankfurt nach Stuttgart.

  • 1 zufällig wiedergetroffene ehemalige Mitbewohnerin -- im ICE von Stuttgart nach Ulm.

  • gefühlte 334 mal: "Sänk ju vorr träwelling wiss Deutsche Bahn"

  • 1 Erkenntnis, dass man eine Radreservierung für den Fernverkehr mindestens drei Tage im Voraus lösen muss (sonst bleibt das Rad zu Hause. Egal. Wie. Sehr. Man. Auch. Bettelt.).

  • ungefähr 50 mal: "Volgens een technische storing tussen Dordrecht en Rotterdam rijden minder trainen" -- komischerweise passieren diese technischen Probleme immer zwischen Dordrecht und Rotterdam, und das circa einmal in der Woche. Die Folge: Die Fahrt ins Fitnessstudio nach Den Haag kann dann schon mal eine dreiviertel Stunde dauern (normal sind zehn Minuten).



Das war er also, der grosse Bahnfahren-Jahresrückblick. Doch auch 2010 scheint schon auf dem besten Wege zu sein, ähnliche Überraschungen wie letztes Jahr bereitzuhalten. Die bisherige Bilanz für 2010: Einmal Friedrichshafen-Delft inklusive unplanmäßiger Zugwechsel in Köln und eine dreiviertel Stunde Verspätung bei der Ankunft in Delft. Doch damit 2010 ein ähnlicher Spitzenjahrgang wie 2009 wird, muss noch mindestens eine schicke Dreistunden-Verspätung drinsein. Sonst wird das nichts.

Und ach ja: "Sänk ju vorr rieding sis adikkel."

Dienstag, 8. Dezember 2009

Imagine...

Wenn ich schon über Musik am schreiben bin: Heute vor 29 Jahren wurde John Lennon ermordet. Schade, denn er war wirklich ein großartiger Musiker. Daher quasi zum Gedenken, ein historischer Musikclip: John Lennon zusammen mit Keith Richards, Eric Clapton und Mitch Mitchell (von der Jimi Hendrix Experience) spielen "Yer Blues".

Marcus Miller "Tutu" live @ Paradiso

Wie schon im Titel zu ersehen: Gestern war ich in Amsterdam bei einem Konzert von Marcus Miller -- "Ätsch!!" für alle, die ihn auch klasse finden und noch nicht live gesehen haben. Für den ignoranenten Rest, hier erst einmal eine Kurzerklärung wieso er sehenswert ist: Marcus Miller ist einer der einflussreichsten E-Bassisten des Jazz und ein Pionier der Slapping-Technik (wo die Saiten mit dem Daumen angerissen werden, was eben ein sehr funky, perkussiven Sound ergibt) und nebenbei noch ein sehr gefragter Studiomusiker -- Wikipedia redet von über 500 Aufnahmen, auf denen er zu hören sein soll. Unter anderem hat Marcus Miller auch zwei der letzten Alben von Miles Davis produziert -- Tutu und Amandla.

Soviel zur Einleitung. Auf jeden Fall bin ich gestern mit einer handvoll Freunde nach A'dam gefahren um ihn live zu sehen. Nun, um halb neun kreuzten tauchten ersteinmal drei Jungs auf der Bühne auf, die aussahen, als wären sie gerade erst der Schule entsprungen -- drei viertel der Backingband (Drums, Saxophon & Trompete), verstärkt von einem Keyborder, der vom Aussehen auch als Steuerbeamter durchgehen könnte und dann eben Gott himself. Die ersten drei Lieder -- die Tour heisst ja nicht umsonst "Tutu Revisited" -- kamen dann auch direkt von "Tutu". Aber im Vergleich zum Album wurden die Beiträge des Trompeters ein bisschen zurückgefahren und dafür ein paar Basssoli eingebaut -- schließlich ist ja Miller hier der Boss und der Trompeter blosser sideman (im Gegensatz zum Album..). Nun gut, der Band sah man ihre Spielfreude an, insbesondere der Schlagzeuger hatte wohl einen Clown zum Abendessen verspeist. Zumindestens hab ich es bisher noch nicht gesehen, dass ein Schlagzeuger während seines Solos (!) demonstrativ einen Schluck aus seiner Wasserflasche trinkt. Auf jeden Fall, absolut top. Die Soli nicht zu lang, die Songs immer noch erkennbar (Ausnahme: Prince's "When doves cry" hab ich erst nach ein paar Minuten erkannt..) aber zum Teil überraschend umrangagiert.

Und genau das liebe ich ja eigentlich auch an Jazz, dass man durch Improvisation und Umrangieren bekannte Lieder immer wieder total überraschend sein können. Denn um ein Stück so wie auf Platte hören zu wollen, muss man ja nicht auf ein Konzert gehen. Da kann man ja genauso gut daheim bleiben.

Nun, nach über zwei Stunden, zwei Zugaben (unter anderem "P.Y.T." von Michael Jackson's Thriller als Hommage an den King of Pop) war dann doch leider Schluss. Von mir aus hätte er noch ewig weiterspielen können.

Samstag, 10. Oktober 2009

Wären die Kirchen ganz normale Vereine, dann...

... wäre das Finanzamt auch als Inkassobüro für den FV Untertupfingen* tätig.
... müßte man auch für die Kündigung der Mitgliedschaft im besagten FV Untertupfingen* noch bezahlen.
...hätte auch der Bundesverband der Kaninchenzüchter ein Vetorecht bei der Berufung von Professuren in den Kaninchenzuchtwissenschaften an staatlichen Hochschulen.
...hätte auch der FC Bayern München Anspruch auf ein "Wort zum Sonntag" in der ARD.
...gäbe es in Schulen neben katholischem und evangelischem auch VfBischen Religionsunterricht (oder herthaischen, werderischen, borussischen....).
...könnte man auch Amtseide mit der Formel "So wahr mir der Vorsitzende des FV Untertupfingen* helfe" beenden.
...dürfte in Bayern das Wappen des FV Untertupfingens* nur in "atypischen Einzelfällen" aus Klassenzimmern entfernt werden.
...könnte auch das lächerlich Machen des Vorsitzenden des FV Untertupfingens* als Gotteslästerung (§166 StGB) verfolgt werden.
...würden "Experten" des FV Untertupfingens* auch zu Fragen angehört, für die sie absolut nicht qualifiziert sind. Dabei hätte ihr Wort natürlich mehr Gewicht als das richtiger Experten.
...wäre der Geburtstag des Sohnes des Vorsitzenden des FV Untertupfingens* ein staatlicher Feiertag.
...würden die Feierlichkeiten zu diesem Geburtstag in voller Länge live im öffentlich-rechtlichen Fernsehen übertragen werden.

Soviel zum Thema Trennung von Staat und Kirche...

*Ähnlichkeiten mit real existierenden Fussball-, Kaninchenzucht- und Briefmarkensammelvereinen sind vollkommen beabsichtigt.

Donnerstag, 17. September 2009

Nur Amateure rauben Banken aus....

... Profis gründen welche. Mit diesem Zitat (ist angeblich von Brecht) kam vor einiger Zeit Chris ins Büro und das Resultat war eine recht lange Diskussion über Bankster im Allgemeinen und Besonderen und die Wirtschaftskrise. Jetzt habe ich im Rolling Stone Magazine Munition für eine Fortsetzung dieser Diskussion gefunden:

The Great American Bubble Machine

From tech stocks to high gas prices, Goldman Sachs has engineered every major market manipulation since the Great Depression - and they're about to do it again.

Mittwoch, 22. Juli 2009

Just occured to me...

"Work" is a four-letter word...

I guess I really need some vacation!

Freitag, 22. Mai 2009

31!

Bald sind ja Europawahlen.... und ich war in der beneidenswerten Lage, mich entscheiden zu dürfen, ob ich in den Niederlanden abstimme oder in Deutschland. Da ich ausser dem Namen nach keine niederländischen Parteien kenne, habe ich mich entschieden, doch in Deutschland zu stimmen - was nun auch problemlos funktioniert hat. Eine Mail an die Botschaft, diese haben mir ein Formular zugeschickt, das ich wiederum ans Rathaus in Friedrichshafen schicken musste. Und eine Woche später waren meine Briefwahlunterlagen da.

Eine kurze Frage an den werten Leser: Was glaubst du, wieviel Parteien kandidieren denn bei den Europawahlen? 5,6,10? Nein -- 31!! Darunter finden sich viele Parteien, wo man nur froh sein kann, dass sich ihre Stimmenzahl weit unterhalb der Fünfprozenthürde befindet: Zum einen wären mal da natürlich die diversen Extremisten von Links und Rechts (DVU, Republikaner, Deutsche Kommunistische Partei) aber eben auch christliche Taliban wie die Partei Bibeltreuer Christen und die Christliche Mitte - Stichworte: Verbot von Abtreibungen, Pornographie, Sexualkundeunterricht, Homosexualität, ist ja schliesslich alles bäh. Und wenn es nach der Partei Bibeltreuer Christen ginge, dann sollte doch bitte die Schöpfungslehre ihren Platz im Schul(bio?)unterricht bekommen. Grauslig, sage ich da nur.

Ein weiterer Block an Mikroparteien sind die ganzen Rentnerparteien -- Die Grauen, Rentner-Partei Deutschland, 50Plus und die Rentnerinnen- und Rentnerpartei. Wieso sich Parteien mit solchen Spezialinteressen auch noch dermassen Aufspalten müssen, keine Ahnung. Aber vielleicht ist es besser so. In der Kategorie seltsam bis sehr seltsam führen meiner Meinung nach Die Violetten - Für spirituelle Politik ganz eindeutig.

Freitag, 8. Mai 2009

Vorgestern vor 72 Jahren...

Für einen (Exil-)Häfler war vorgestern ein bedeutender Jahrestag: Vor 72 Jahren ist das LZ 129 "Hindenburg" in Lakehurst verbrannt -- und damit fand die wohl schönste Art, durch die Luft zu reisen ihr Ende.

Sonntag, 25. Januar 2009

Im Land der aufgehende Sonne oder: Lost in Translation

Zur Information der Allgemeinheit: Ich bin gerade beruflich in Japan, genauer in Sendai, einer Stadt mit einer knappen Million Einwohner welche ca. drei Zugstunden nördlich von Tokio liegt. So, wie komme ich zu einem Japan-Trip? Die Erklärung liegt bei meinem Doktorvater: Dieser war als Postdoc in Japan und ist mit einer Japanerin verheiratet, hat also beste Verbindungen ins Land der aufgehenden Sonne. Einer seiner Kontakte ist Prof. Sadamichi Maekawa, der hier in Sendai wirkt. Und so kam es dann, dass ich hierher eingeladen wurde.

Nun, jeder wird wohl eine gewisse Vorstellung haben wie Japan angeblich ist. Zumindest meiner Vorstellung nach waren die Japaner sehr höflich und freundlich und bestens organisiert. Nach zwei Tagen im Land kann ich sagen: Es scheint zu stimmen. Zum Beispiel dass hier alles hochakurat durchorganisiert ist. Der Wagen für den man eine Reservierung hält nicht wie in D halt in einem bestimmten Bahnsteigabschnitt -- nein, auf dem Bahnsteig gibt es tatsächlich eine Markierung, wo die Tür sein wird. Und natürlich wird der Zug tatsächlich Zentimetergenau halten. Oder: Dass die Japaner ausgesprochen höflich und freundlich sind. So entschuldigt sich zum Beispiel am Flughafen der Zoll mit einer Lautsprecherdurchsage, dass die Abfertigung etwas länger dauern könne, wenn man sein Zollformular nicht ausfüllt (mit ausgefülltem Formular hat es dann bei mir ca. eine halbe Minute gedauert..). Oder dass einem das Rückgeld stets mit Verbeugung überreicht wird (inzwischen beherrsche ich übrigens auch die Kunst, das Rückgeld beidhändig mit Verbeugung anzunehmen).

Auf jeden Fall ist es schon ein komisches Gefühl, wenn man auf einen Schlag der Exot ist. Ist mir erst gestern beim Abendessen (muss gestehen: war McDonalds) wieder aufgefallen: Als ich gegangen bin, hat mich quasi das ganze Lokal angestarrt. Ausserdem mache ich jetzt mal die Erfahrungen, die normalerweise Zweimetermenschen in Europa haben -- zum Beispiel, dass die Waschbecken einem irgendwo in der Mitte der Oberschenkel hängen, man sich also irre weit runterbücken muss, wenn man Wasser aus dem Hahn trinken will.

Aber irgendwie erscheint mir hier auch vieles ineffizient zu sein, zum Beispiel wenn um eine kleine Baustelle (ein Sicherungskasten wurde gestrichen) noch ein zusätzlicher Mann mit Absperrfahne rumwuselt und sich verbeugt, wenn man daran vorbeigeht. Was er dabei gesagt hat, keine Ahnung. Nehme aber an, dass es sowas wie eine Entschuldigung für die Unannehmlichkeiten war. Auch in den Läden scheint das Angestellten-zu-Kunden-Verhältnis wesentlich höher als in Europa zu sein -- nicht unbedingt eine negative Sache.

Aber man hat hier auch das Gefühl, nur das allernötigste Mitzubekommen. So zum Beispiel im Zug, wo auf eine ellenlange japanische Durchsage nur eine kurze englische folgt "Shortly, we will briefly stop in...". Entweder ist japanisch sehr ineffizient als Sprache oder es ging da einiges in der Übersetzung verloren -- "Lost in Translation". Es gibt übrigens einen sehr sehenswerten Film gleichen Titels, der in der Expat Gemeinde von Tokio spielt. Da gibt es eine Szene, die meiner Zugdurchsagenerfahrung ziemlich nahekommt: Bill Murray (Und täglich grüsst das Murmeltier, Ghostbusters) spielt einen Schauspieler, der in Tokio einen Werbeclip drehen soll. Auf eine minutenlange Auslassung seines Regisseurs auf japanisch folgt die Übersetzung "Play it more softly". Genauso scheint es eben auch im Shinkhansen zu sein.