Stefans Abenteuer im Land der fehlenden Berge und in der Physik
Über mich
StefanIch bin seit Juni 2007 Doktorand an der TU Delft, Niederlande. Neben (theoretischer) Physik interessiere ich mich für Politik, Bücher aller Art und Radfahren. Für weiteres, siehe meine Homepage.
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Mittwoch, 20. Oktober 2010

Das ist ja so 1999

Dass es noch so etwas gibt: Gerade taucht bei mir im Postfach eine Email mit Betreff "FW: Fwd: WG: Fwd: FW: WG: WG: WG: unbedingt weiterleiten/kein scherz" auf -- wohl mal wieder ein Internetkettenbrief. Schon lange keinen mehr bekommen -- liegt wohl an meinem ziemlich stark ausgeprägten Emaillöschreflex. Oder auch daran, dass Internetkettenbriefe doch etwas stark nach 1999 riechen. Nun ja, neugierig bin ich mal. Also:

Normalerweise sende ich keine Nachrichten dieser Art, aber diese Nachricht kommt von einer sehr guten Freundin meiner Freundin, diese ist Anwältin und es scheint eine interessante Möglichkeit zu sein. Wenn Sie sagt, dass es funktioniert, dann funktioniert es auch. Jedenfalls kann man nichts dabei verlieren.
Also, wer erst einmal einen Absatz braucht um darzulegen, warum die Nachricht die wohl darunter irgendwo dann mal auftauchen soll wichtig ist, hat ja sowieso schon mal verloren. Zweitens, die gute Freundin meiner besten Freundin von jemandem, dessen Email an mich weiterweiterweiterweitergeleitet wurde, ist ja nicht wirklich eine Autorität auf die man hören muss. Und eine Anwältin ist ja auch keine Expertin fürs Internet -- was ja allein schon durchs weiterleiten dieser Nachricht bewiesen wurde. Und zum Thema "guter Freund eines Freundes": Mehrere gute Freunde von guten Freunden hatten ein Essay zum Thema "Was ist Mut?" in der Schule zu schreiben. Ihr jeweiliges Essay in voller Länge: "Das ist Mut." Seltsamerweise sind diese guten Freunde von guten Freunden jeweils in Deutschland, den Niederlanden und in den USA zur Schule gegangen. Ob die Schulbehörden voneinander abschreiben? Nun ja, genug abgeschwuffen. Weiter mit der Email:

Folgendes hat sie [wohl diese internetversierte Superanwältin, nehme ich an] mir erzählt: Ich bin Anwältin und ich kenne das Gesetz [wieder, Berufung auf total irrelevante Qualifikationen -- ich bin Physiker, Gehirnoperationen kann ich trotzdem immer noch nicht ausführen]. Das ist eine Tatsache. Täuscht euch nicht, AOL und Intel halten ihre Versprechen aus Angst, vor Gericht gebracht und mit Forderungen in Millionenhöhe konfrontiert zu werden.

Liebe Freunde, haltet dies bitte nicht für einen dummen Scherz.

Bill Gates verteilt gerade sein Vermögen. [Bravo! Das stimmt: Bill and Melinda Gates Foundation] Wenn ihr darauf nicht reagiert, könnte es Euch später leid tun [Oha, jetzt wird schon ein bisschen gedroht]. Windows ist noch immer das am häufigsten
genutzte Programm [für was? Viren?]. Microsoft und AOL[vorher war noch von Intel und AOL die Rede. Was nun?] experimentieren gerade mit diesem per e-Mail versandten Text (e-mail beta test) Wenn ihr diese Mail an Freunde versendet, kann und wird Microsoft zwei Wochen lang euren Spuren folgen. [hehe, nicht mit mir.. TuX rules!] Für jede Person, die diese Nachricht versendet, zahlt Microsoft 245 Euro. Für jede Person, der ihr diese Nachricht geschickt habt und die sie weiterleitet, bezahlt Microsoft 243 Euro. Für die dritte Person, die sie erhält, bezahlt Microsoft 241 Euro. [wow, die Vergütungen sind gestiegen! Vor zehn Jahren gab's angeblich 10 Mark pro Mail... Diese elendige Inflation..]

Nach zwei Wochen wird sich Microsoft mit der Bitte um Bestätigung der Postanschrift an Euch wenden und euch einen Scheck schicken.

So, in der Email kommen jetzt noch ein paar herzerwärmende Geschichten, wieviel Kohle man mit diesem tollen E-Mail-Beta-Bill-Gates-spendiert-einen-Test verdienen kann. Aber das übergehe ich mal. Sei nur erwähnt: Tante Patrizia der guten Freundin der besten Freundin von jemandem, dem diese Email weiterweiterweiterweiterweiterweitergeleitet wurde bekam angeblich 4324,43 Euro. Woher die Centbeträge bei den runden Beträgen pro Email kommen, weiss ich jetzt auch nicht. Kann man etwa Bruchteile einer Email versenden? Hm, falls ja, muss ich mal nachschauen, wie man das macht.

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Google-certified expert

Anscheinend bin ich bei Google als Experte für die Deltawerke (die Sturmflutwehre hier in den Niederlanden -- Oosterschelde-Damm, Maaslantkering, Ijsselmeerdamm und so weiter) bekannt. Zwar habe ich anfang des Jahres mal einen kleinen Artikel darüber geschrieben, doch als Deltawerke-Experte bin ich total unqualifiziert. Auf jeden Fall trudelte heute wieder einmal eine Email einer Schülerin (Studentin?) bei mir ein, mit der Bitte, bei einem Referat zu den besagten Deltawerken zu helfen. Helfen tu ich gern, doch -- wie gesagt -- Experte bin ich sicherlich keiner. Zwar habe ich als Kind im Sandkasten etliche Kubikmeter Wasser verbraucht, doch damit hat es sich schon mit meiner Expertise in Sachen "Sand trocken halten".

Ich frage mich nur, wieso mein Artikel bei Google so weit oben landet -- sucht man zum Beispiel nach "Deltawerke Deiche", so bin ich der erste Treffer. Der entsprechende Wikipedia Artikel taucht dagegen erst an drittletzter auf der ersten Trefferseite auf.

Auch frage ich mich, wieso mich jemand für einen Experten auf diesem Gebiet halten kann. Im meinem Blogprofil steht ja, ich sei theoretischer Physiker. Und selbst aus Schulphysikerfahrung sollte man wissen, dass wir Physiker relativ selten was mit Wasser und so zu tun haben. Und bisher habe ich ja auch erst einmal was dazu geschrieben...

Naja, für mich ist das doch gewissermaßen ein Beweis dafür, dass viele Menschen die Qualität einer Informationsquelle nicht einschätzen können. Wikipedia ist doch so viel vertrauensvoller als ein obskurer Blog wie das Bretziversum, wobei natürlich "seriöse" Quellen wie eine richtige Enzyklopädie oder ein Fachbuch natürlich noch viel seriöser sind. Aber für viele, scheint "war bei Google ziemlich weit oben" schon ein völlig ausreichendes Qualitätskriterium zu sein....

Donnerstag, 27. November 2008

No Degree No Job?

Bis jetzt war meine Uni-E-Mail-Adresse spamfrei. Bis jetzt. Herzlich willkommen, erste Spammail. Und dann noch dazu eine so passende: Jemand will mir einen akademischen Grad verkaufen. Stimmt, ich hab ja erst einen, der zweite ist ja gerade in Arbeit. Aber wieso ich Geld für einen Doktor (oder was auch immer) zahlen soll, anstatt dafür bezahlt zu werden, leuchtet mir nicht wirklich ein. Es heisst in der E-Mail:

Tired of hearing:
:: No Degree, No JOB!
:: You don't Qualify for it!
:: What's your Degree in?
:: Where did you go to school?
:: With a Degree we could offer you a higher salary....

´Now you can Finally have the Degree you deserve based on your "Life
Experience"

Also ich bezweifle, dass jemand der auf irgendeine Spammail antwortet -- geschweige denn diesen Spammern Geld in den Rachen wirft -- genügend Lebenserfahrung für irgendwas hat. Aber nun gut... Lebenserfahrung. Also ich kann seit 23 Jahren oder so schwimmen, bekomme ich jetzt dafür einen Doktor in Hydrodynamik? Und was mache ich, wenn ich eines Tages wirklich einem Doktor der Hydrodynamik begegne und der mir Fragen zu meinem "Doktor" stellt?

No study, No examination, No Books.


Jetzt sollte wohl die letzte Dumpfbacke stutzig werden. Lernen, Bücher lesen und Prüfungen ablegen, das ist doch mehr oder weniger die Definition von studieren. Und das wird mir alles erlassen, wenn ich einen Betrag x bezahle? Für jemand, der einen guten Teil der letzten Jahre in Uni-Bibliotheken verbracht hat, kommt das schon fast einer Beleidigung gleich.

Prestigious Non-Accredited Degrees.


Soso, prestigeträchtige nicht-akkreditierte Abschlüsse. Das ist ein Widerspruch in sich. Entweder, der Name "Universität" und entsprechende Abschlüsse sind staatlich geschützt und Titelhandel somit sowieso illegal (z.B. in Deutschland) oder aber Universitäten müssen von einer entsprechenden Institution akkreditiert werden (so z.B. in den USA, wo der Name "University" an sich ungeschützt ist). Ein nicht-akkreditierter Abschluss aus einem Land, wo jeder eine "Universität" eröffnen kann, ist somit höchstens so viel Wert wie Altpapier.

This official College & University transcripts meet the highest academic standards printed on premium diploma paper, bearing the official gold raised SEAL of the awarding University
or College.

Also, wenn nur ein goldenes Siegel ein Diplom zu einem echten Diplom macht, dann hab ich wohl ein Problem -- mein Diplom der Uni Konstanz hat nur einen Stempel. Und das Papier ist auch kein spezielles.

Erst neulich gab es einen prominenten Fall von Titelmissbrauch: Der iranische Innenminister musste zurücktreten, nachdem herauskam, dass sein Oxforder-Ehrendoktor eine Fälschung war. "Natürlich" war entsprechender Minister nur das Opfer von Betrügern. Geschieht im trotzdem Recht. Denn die einzige Währung, mit der man sich einen Doktortitel erkaufen kann ist eine gesunde Mischung aus Hirnschmalz, Tränen und Starrköpfigkeit.

Montag, 17. November 2008

Digitales Nirvana

Das Internet ist schon eine tolle Sache, erlaubt es doch einfach und schnell mit anderen Leuten Kontakt aufzunehmen -- zumindestens in der Theorie. Folgender Fall: Letzten Donnerstag habe ich mir wohl beim Abendessen meine (einzige) Zahnfüllung verloren. Gleich danach mal schnell nach einem Zahnarzt gegoogelt -- ich hatte noch nicht das Vergnügen, einen holländischen Zahnarzt zu konsultieren -- und auch einen mit -- sehr lobenswert -- englischer Homepage und noch dazu in der Nachbarschaft gefunden. Schnell das Kontaktformular ausgefüllt, inklusive einer Bitte nach einem baldigen Termin wegen besagtem Problem und abgeschickt. Nun, zurückgekommen ist ausser einer automatischen Bestätigungsmail bisher noch nichts. Wieso meinen Leute, es sei genug einmal eine super-duper Seite ins Netz zu stellen ohne sie zu pflegen oder eben auf Kontaktanfragen via eben dieser Homepage zu reagieren? Keine Ahnung, doch meiner Meinung nach ist das der wichtigere Teil der ganzen Internetgeschichte. Nun gut, ich bin immer noch auf der Suche nach einem Zahnarzt, da es hier anscheinend nicht allzuviele gibt, die noch Patienten aufnehmen. Aber für die weiteren Kontaktaufnahmen werde ich wieder zum altbewährten Telefon greifen, denn dort gehen Nachrichten normalerweise nicht in einem digitalen Nirvana verloren.

Sonntag, 17. August 2008

Bodenseepanorama, the Linux way

Mich plagt mal wieder die Sehnsucht nach dem Bodensee. Insbesondere ein Fenster mit Bergsicht zu haben wäre schon klasse, leider in diesem Flacher-als-ein-Pfannkuchen-Land ein Ding der Unmöglichkeit. Gut, aber wozu gibt es Linux? Das Betriebssystem wo alles möglich ist, wenn man nur weiss wie. Damit meine Lösung für die Bodenseesehnsucht: Aktuelle Webcambilder als Desktophintergrund. Eigentlich sind nur zwei Aufgaben zu bewältigen:

  1. Geeignete Webcams finden.

  2. Ein kleines Skript, das das aktuelle Webcambild herunterläd und als Desktophintergrund setzt.


Beim ersten Punkt mag vielleicht diese Seite eine kleine Hilfe sein. Der zweite Punkt lässt sich mit folgendem Bash-Script erledigen:

#!/usr/bin/bash
while [ 1 ];
do
wget -O /pfad/wo/bild/gespeichert/werden/soll.jpg -N http://irgendeine.url.de/webcambild.jpg
dcop kdesktop KBackgroundIface setWallpaper 3 /pfad/wo/bild/gespeichert/werden/soll.jpg 6
sleep 5m
done

Mit wget -O zielpfad ursprungsurl laden wir das Bild der Webcam herunter. Danach benutzen wir den dcop-Mechanismus von KDE um das Hintergrundbild zu aktualisieren. Näheres zu dcop findet sich zum Beispiel hier. Im Endeffekt sagen wir mit dcop kdesktop KBackgroundIface setWallpaper 3 /pfad/wo/bild/gespeichert/werden/soll.jpg 6, dass wir die Methode setWallpaper des kdesktops aufrufen wollen. Die Argumente sind der Desktop (im Beispiel Nr. 3), dessen Hintergrundbild geändert werden soll, der Pfad des Bildes, sowie der Modus für die Anzeige. Mit sleep 5m sagen wir dem Script, dass es fünf Minuten ruhen soll, bis es das nächste Bild herunterlädt. Damit ist alles gesagt.

Sonntag, 3. August 2008

Google Killer?

Gerade habe ich Cuil ausprobiert. Um gleich vorweg eines klar zu stellen: Cuil ist nicht französisch für A... sondern angeblich Irisch für "Wissen". Folglich verbirgt sich dahinter auch eine Suchmaschine und keine nicht-jugendfreie Seite. Nun gut, laut Eigenaussage hat Cuil mehr Seiten indiziert als Google, folglich sollte man wohl bessere Suchergebnisse erwarten können. Nun gut, auf zum Kurztest. Habe mal einfach meinen Namen eingegeben. Was bei den Ergebnissen zuerst auffällt, ist die dreispaltige Ergebnisliste. Finde ich jetzt keinen Geniestreich, da nicht wirklich klar ist, was nun die Reihenfolge der Treffer sein soll. Ausserdem fallen die eingebundenen Bilder auf. Allerdings scheint der Algorithmus, der diese Bilder bestimmt, eine andere Logik zu besitzen als die menschliche. Zum Beispiel die Seite meiner ehemaligen Arbeitsgruppe in Konstanz. Da werde ich als Ehemaliger aufgeführt, inklusive Bild. Nun, in der Ergebnisliste zeigt Cuil zu dieser Seite netterweise ein Bild an, aber nicht von mir, sondern von Markus. Und das, obwohl mein Bild auch noch den Dateinamen StefanBretzel.jpg hat. Da könnte ja ein Computer schon darauf kommen. Und wieso Markus Bild angezeigt wird, keine Ahnung. Ist weder das erste, letzte, noch sonstwie anders als die anderen Bilder auf der Seite. Die anderen Ergebnisse sind vergleichbar mit denen von Google, es tauchen Links zu meiner alten Schule (ein keltischen Rennfeuerofen den wir in der dreizehnten Klasse bauten), zu meiner jetzigen Arbeitsgruppe, sowie zum Buch von Herrn Audretsch auf, das ich als Hiwi geTeXt habe. Fazit des Schnelltests: Suchergebnisse ok, das dreispaltige Layout wahrscheinlich geschmacks- bzw. gewöhnungssache, die angezeigten Bilder eine sinnlose Spielerei mit keinerlei Informationsgewinn. Damit kann Google wieder Luft holen, denn der angekündigte Google Killer ist das wohl noch nicht.