- Für mein seelisches Wohlbefinden sind die Sicht auf Hügel, von Bergen will ich ja gar nicht erst sprechen, unverzichtbar. Leider sind diese hier nahezu unbekannte geographische Objekte. Gut, eigentlich hätte ich ja gewarnt sein können, denn die Niederlande sind ja nicht gerade bekannt für ihre Bergketten (oder hat schon mal jemand vom Utrechter Zentralmassiv gehört?).
- Gutes Brot in den Niederlanden zu finden ist ein Ding der Unmöglichkeit. Das ist, so habe ich es in den letzten Jahren gelernt, ein typisches Statement eines deutschen Expat. Nichts geht über gutes Brot und sachdienliche Hinweise, wo man eben solches finden könnte, werden in den entsprechenden Kreisen hoch gehandelt.
- Nederlandse Appeltaart met Slagroom ist einfach die definitive Version von Apfelkuchen. Sorry, Mama.
- Nichts macht einen mehr seine ethnische Herkunft bewusst als in einer Umgebung zu leben, in der fast niemand diese mit Dir teilt. Beispiel gefällig? In Deutschland war es nie ein Thema, dass ich kein Bier trinke. Hier werde ich oft mit den Worten "this is Stefan from Germany. And guess what, he doesn't drink beer" vorgestellt. Dass man als Deutscher kein Bier mag, scheint bei den meisten Leuten eine kognitive Dissonanz allererster Güte auszulösen.
- Kellner in belgischen Bierkneipen nehmen es einem nicht übel, wenn man immer nur Cola bestellt.
- In der indonesischen Küche gibt es nur drei Schärfegrade: Verdammt scharf, kriminell scharf und durch die UNO Chemiewaffenkonvention verboten scharf (für praktische Demonstrationen zu diesem Thema geht dank an Tungky).
- Die Niederländer sind geiziger als Schwaben und stolz darauf. Manche gehen sogar so weit zu behaupten, dass sie selbst mit ihrem Date die Rechnung auf den Cent genau aufteilen würden. Angeblich ist der Ausdruck "going Dutch" (getrennt bezahlen) in den USA gang und gäbe -- so geläufig, dass alle Amerikaner, die nicht in den Niederlanden leben, diesen Ausdruck nicht kennen (oder so zumindestens meine praktischen Feldforschungen).
- Die Niederländer haben die deutschen Untaten im zweiten Weltkrieg schon lange verziehen -- ausser, dass die Deutschen ihre Fahrräder geklaut haben. "Waar is mijn fiets?" oder "Ik wil mijn fiets terug" bzw. Anspielungen darauf habe ich genug gehört (dank geht hiefür an meinen ewigen Büromitbewohner Marnix).
- Deutsche Unimensen sind viel besser als man als Student immer dachte. Denn alle zwei Wochen Kässpätzle für 2 Euro 50 ist nichts im Vergleich zu täglich die gleiche Frikadelle für drei Euro. Daher bin ich in den letzten Jahren zum Vesperbrotmitbringer mutiert.
- Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, lange Distanzen mit der Bahn zu fahren und mit maximal einer Stunde Verspätung anzukommen.
- Auch in den Niederlanden gibt es einen Bible Belt -- dort wohnen die Leute, deren Vorfahren vor dreihundert Jahren das Schiff nach Pennsylvania verpasst haben.
- Das Englischniveau eines durchschnittlichen Deutschen im Vergleich zum durchschnittlichen Nederlander: Abgrundtief schlecht (daher: It's a long way -- start walking).
- Die Geldkarte (dieser Chip auf der Bankkarte, der in Deutschland von niemandem benutzt wird) kann man tatsächlich für Bezahlungen benutzen.
- Durchschnittlich wird einem 0.25 Fahrräder pro Jahr geklaut (so zumindestens das Ergebnis meines langjährigen Selbstversuchs -- seit zwei Wochen bin ich Fussgänger)
- Je mehr Sprecher eine Sprache hat, desto grösser die Paranoia derselben, dass Englisch in allernächster Zukunft ihre Sprache verdrängen wird.
- Der Geburtstag der Monarchin wird nicht an ihrem Geburtstag gefeiert.
- In den Niederlanden sieht man keine Wohnwägen mit niederländischen Kennzeichen -- im Gegensatz zum Rest von Europa.
- Technische Universitäten sind nicht gerade für ihr ausgewogenes Geschlechterverhältnis und lebendiges Kulturleben bekannt.
- Und zu guter Letzt: Ich hätte die Uni verlassen sollen, so lange es mir noch Spass machte.
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Freitag, 3. Juni 2011
Seit vier Jahren im Flachland (al vier jaar leef ik in het Nederland)
Am 28. Mai hatte ich meinen vierten In-die-Niederlande-ziehen-Jahrestag. Dazu ein paar Dinge, die ich in den letzten vier Jahren hier gelernt habe:
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Dienstag, 31. Mai 2011
Mal wieder (langsam hab ich Routine drin)
Zur Information der Allgemeinheit: Ich bin mal wieder umgezogen -- leider konnte ich den Plan, mein nächster Umzug würde mich wieder zurück nach Deutschland führen, doch nicht in die Tat umsetzen. Denn, erstens kommt es nicht so wie man zweitens denkt. Geplant war, dass Nestor, Joost und ich bis zum Ende meiner Promotion bzw. Joost's Master in unserer WG bleiben. Doch da kam der Geschäftssinn unseres Vermieters dazwischen. Sein Plan: Man nehme unseres schickes (inzwischen Ex-)Wohnzimmer, ziehe eine Wand ein und mache daraus zwei weitere Räume. Da in Delft auch die allerkleinsten Hasenställe noch dankbare Studenten als Mieter finden, wohl ein Plan der ihm ein paar hundert Euro mehr im Monat einbringt -- uns jedoch wieder auf Wohnungssuche geschickt hat.
Nun, Wohnungssuche ist in Delft/Den Haag ein Alptraum. Erstens gibt es wenig bezahlbare Angebote, die ihr Geld auch wert sind (200 Euro für ein 6m^2 Zimmer -- kein Problem). Zweitens läuft hier fast nichts ohne Makler. Ergo, eine Monatsmiete geht als Kommission drauf. Wobei ich hier dieses mal extremes Glück hatte: via kamernet.nl, einem studentischen Wohnungsmarkt, hab ich jetzt nämlich ein Zimmer wieder direkt in der Altstadt gefunden. Ohne Maklergebühren. Leider ist es wieder so ein Zimmer in einem unrenovierten Altbau (Isolierung, war da was?) in einem typischen holländischen studentehuis. Sprich, ich teile Küche und Bad mit Mitbewohnern. Nicht so schlecht, aber abgesehen vom Badteilen scheint es kein wirkliches WG-Leben zu geben (meine Vormieterin konnte mir z.B. nichts über ihre Mitbewohner sagen -- das spricht ja Bände). Eigentlich hatte ich mir vor zwei Jahren geschworen, nie wieder in ein solches zu ziehen. Aber naja. Für ein paar Monate wird's wohl reichen.
Wenn ich es jetzt recht gezählt habe, ist das jetzt mein neunter Umzug in zehneinhalb Jahren. Positiv daran ist, dass ich jetzt schon beinahe im Schlaf meine Möbel demontieren kann. Die schlechte Seite daran ist, dass Billigmöbel häufiges umziehen nur bedingt verzeihen -- mein Bett konnte ich nach diesem Umzug nur mit viel Überredungskunst dazu überreden sich wieder einigermassen stabil zusammenbauen zu lassen.
Edit: Nur ein paar Minuten nachdem ich diesen Eintrag gepostet hatte, klingelte das Telefon. Am Apparat, ein besser anonym bleibender Immobilienmakler, den ich vor gut anderthalb Monaten wegen einer Wohnung per Mail kontaktiert hatte. Ja, also sie hätten erst jetzt meine Mail gesehen und wenn ich wollte, dann könnte ich morgen mir die besagte Wohnung anschauen. Dankend lehnte ich ab. Denn für solch prompten Service eine Monatsmiete Kommission zu zahlen, sehe ich schon gar nicht ein (abgesehen davon, dass ich keine neue Wohnung mehr brauche).
Nun, Wohnungssuche ist in Delft/Den Haag ein Alptraum. Erstens gibt es wenig bezahlbare Angebote, die ihr Geld auch wert sind (200 Euro für ein 6m^2 Zimmer -- kein Problem). Zweitens läuft hier fast nichts ohne Makler. Ergo, eine Monatsmiete geht als Kommission drauf. Wobei ich hier dieses mal extremes Glück hatte: via kamernet.nl, einem studentischen Wohnungsmarkt, hab ich jetzt nämlich ein Zimmer wieder direkt in der Altstadt gefunden. Ohne Maklergebühren. Leider ist es wieder so ein Zimmer in einem unrenovierten Altbau (Isolierung, war da was?) in einem typischen holländischen studentehuis. Sprich, ich teile Küche und Bad mit Mitbewohnern. Nicht so schlecht, aber abgesehen vom Badteilen scheint es kein wirkliches WG-Leben zu geben (meine Vormieterin konnte mir z.B. nichts über ihre Mitbewohner sagen -- das spricht ja Bände). Eigentlich hatte ich mir vor zwei Jahren geschworen, nie wieder in ein solches zu ziehen. Aber naja. Für ein paar Monate wird's wohl reichen.
Wenn ich es jetzt recht gezählt habe, ist das jetzt mein neunter Umzug in zehneinhalb Jahren. Positiv daran ist, dass ich jetzt schon beinahe im Schlaf meine Möbel demontieren kann. Die schlechte Seite daran ist, dass Billigmöbel häufiges umziehen nur bedingt verzeihen -- mein Bett konnte ich nach diesem Umzug nur mit viel Überredungskunst dazu überreden sich wieder einigermassen stabil zusammenbauen zu lassen.
Edit: Nur ein paar Minuten nachdem ich diesen Eintrag gepostet hatte, klingelte das Telefon. Am Apparat, ein besser anonym bleibender Immobilienmakler, den ich vor gut anderthalb Monaten wegen einer Wohnung per Mail kontaktiert hatte. Ja, also sie hätten erst jetzt meine Mail gesehen und wenn ich wollte, dann könnte ich morgen mir die besagte Wohnung anschauen. Dankend lehnte ich ab. Denn für solch prompten Service eine Monatsmiete Kommission zu zahlen, sehe ich schon gar nicht ein (abgesehen davon, dass ich keine neue Wohnung mehr brauche).
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Sonntag, 27. Februar 2011
Schweizer sind auch überall
Wenn man längere Zeit im Ausland ist, wird man irgendwann in linguistischer Hinsicht paranoid: Hin und wieder glaubt man, dass man gerade einen Fetzen Deutsch aufgeschnappt hat. Meistens ist das natürlich nicht der Fall (außer man stellt sich auf den Standpunkt, Niederländisch sei nur durch den Mixer gejagtes Deutsch -- in diesem Falle höre ich es ständig), hin und wieder aber doch. So gestern, als ich auf dem Weg ins Fitnessstudio war. Da laufe ich im Bahnhof von Den Haag an einem indisch aussehenden Mann vorbei und glaube -- genau -- Schwitzerdütsch zu hören. Das löst natürlich eine kognitive Dissonanz allererster Güte aus. Ein Inder oder indischstämmiger Mann in Den Haag zu sehen an sich ist ja nichts besonderes (die Holländer haben ja tausende Inder während ihrer Kolonialherrschaft nach Surinam "importiert", welche dann seit der Unabhängigkeit in die Niederlande übersiedelten). Aber dass ein solcher Mensch in Den Haag am Bahnhof ein Handygespräch im tiefsten Schitzerdütsch führen soll -- nein, da passt etwas nicht zusammen. Also bleibe ich stehen und höre nochmal genau hin. In der Tat: Es ist Schweizerdeutsch. Es geht im Gespräch anscheinend darum, dass er mit dem Velo (strike!) nach Den Haag uffi (strike!) gegangen ist und jetzt am Bahnhof auf dem Perron (strike!) auf weiss-gott-wen wartet. Ich bin also noch nicht paranoid sondern nur über einen sehr pathologischen Sonderfall gestolpert: ein indischstämmiger Schweizer in den Niederlanden -- die Globalisierung macht's möglich.
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Montag, 12. Juli 2010
Wereldkampioen? Niet 2010.
Erklärung: Dieser Artikel erscheint trotz schärfster Einwände meines PR-Beraters: Buchstäblich jahrzehntelang war Fussball-Ignoranz ein fester Bestandteil meines Images. Daher hätte ich eigentlich gestern abend genau das tun sollen, was ich bei den übrigen Spielen getan habe. Nämlich: Alles, ausser Fussball schauen. Daher ist das, was nun folgt, nicht als Beginn eines angestrebten Imagewandels zu verstehen, sondern vielmehr als Beichte eines einmaligen Ausrutschers, den ich auch zutiefst bereue (auch wenn es mir keiner glaubt: wirklich!).
Die Niederlande sind im Finale! Für alle in Deutschland, die noch vor vier Jahren "Ohne Holland fahrn' wir nach Berlin" gesungen haben, mag das ein Schock gewesen sein. Für mich hier in Delft hat das bedeuted, noch ein paar Tage länger in einer Umgebung mit viel zu vielen orange gekleideten Menschen zu leben. Einer meiner Nachbarn hatte eine riesige orange Fahne mit "Hup! Hup! Holland!" im Fenster hängen, ein anderer hat das Geländer in unserem Haus kunstvoll mit Wimpeln verziert (um nicht zu sagen: verpackt). Und an der Uni war die WM Kaffepausengesprächsthema Nummer eins.
Da anscheinend keine Ausreden gültig war, das Finale nicht anzuschauen, "musste" ich mich wohl oder übel mit ein paar Freunden auf dem Marktplatz treffen. Unser Plan, eine Stunde früher am Markt zu sein, um noch einen Sitzplatz in einem der vielen Cafes zu erwischen, war natürlich von Anfang an zum Scheitern verurteilt -- alle Sitzplätze belegt, wohl von Leuten, die schon seit dem Morgen hier waren. Daher also: Stehen, in siebter Reihe oder so. Nun gut. Dankenswerter weise hat Francois einen holländische Fanhut mitgebracht, so dass ich doch nicht der einzigste un-orangene bin:

Kurz vor dem Anpfiff, die erste neue Erkenntnis dieser anthropologische Feldforschung: In den Niederlanden steht man vor dem Spiel auf und singt die Nationalhymne -- auch wenn man eigentlich nur Fernseh schaut. Zum Glück aber hat sich wohl die FIFA damit begnügt, nur die erste Strophe abzuspielen, denn sonst wäre das Spiel wohl etwas später losgegangen. Denn: nach Wikipedia hat "Het Wilhelmus" 15 (!) Strophen. Da wären wir wohl um neun noch nicht fertig gewesen.
Zum Spiel, oder besser gesagt zu den Fans, die das Spiel angeschaut haben: Bekanntlich leiden Fans ja unter einem Realitätsverlust. So auch in Delft: Da pflügt ein niederländischer Spieler seinen spanischen Gegner in Grund und Boden, und der Schiri hat dann die Frechheit, doch tatsächlich eine gelbe Karte zu zeigen. Dabei weiss doch jeder (zumindestens in Delft auf dem Marktplatz), dass das doch alles grundehrliche Jungs sind, die nun eben mit einem schlecht gelaunten, blinden, herzlosen Schiedsrichter gestraft sind. Aber als der Wind eines vorbeieilenden spanischen Spielers nur das Trikot eines Oranje bewegt, da schrien tausend Kehlen "rood!". Natürlich waren alle Zuschauer hier auch die besseren Schiedsrichter.
Die fiale Erkenntnis meiner Feldforschung: Den Weltmeisterpokal in den Händen der Spanier zu sehen, scheint den meisten Holländern physischen Schmerz zu bereiten. Denn kaum war der Schlusspfiff ertönt, da schaltete der Wirt in unserem Cafe mit einem "Das kann ich mir beim besten Willen nicht ansehen"-Ausdruck auf dem Gesicht den Fernseher aus. Auch unser Versuch im Nachbarlokal weiterzuschauen fand ein vorzeitiges Ende -- hier war es ein Gast, der den Stecker zog.
Jetzt bin ich noch gespannt auf meine beiden Mitbewohner (sind gerade im Urlaub bzw. auf Praktikum). Denn der eine ist Spanier, der andere Holländer. Mal sehen ob die noch miteinander reden...
Die Niederlande sind im Finale! Für alle in Deutschland, die noch vor vier Jahren "Ohne Holland fahrn' wir nach Berlin" gesungen haben, mag das ein Schock gewesen sein. Für mich hier in Delft hat das bedeuted, noch ein paar Tage länger in einer Umgebung mit viel zu vielen orange gekleideten Menschen zu leben. Einer meiner Nachbarn hatte eine riesige orange Fahne mit "Hup! Hup! Holland!" im Fenster hängen, ein anderer hat das Geländer in unserem Haus kunstvoll mit Wimpeln verziert (um nicht zu sagen: verpackt). Und an der Uni war die WM Kaffepausengesprächsthema Nummer eins.
Da anscheinend keine Ausreden gültig war, das Finale nicht anzuschauen, "musste" ich mich wohl oder übel mit ein paar Freunden auf dem Marktplatz treffen. Unser Plan, eine Stunde früher am Markt zu sein, um noch einen Sitzplatz in einem der vielen Cafes zu erwischen, war natürlich von Anfang an zum Scheitern verurteilt -- alle Sitzplätze belegt, wohl von Leuten, die schon seit dem Morgen hier waren. Daher also: Stehen, in siebter Reihe oder so. Nun gut. Dankenswerter weise hat Francois einen holländische Fanhut mitgebracht, so dass ich doch nicht der einzigste un-orangene bin:

Kurz vor dem Anpfiff, die erste neue Erkenntnis dieser anthropologische Feldforschung: In den Niederlanden steht man vor dem Spiel auf und singt die Nationalhymne -- auch wenn man eigentlich nur Fernseh schaut. Zum Glück aber hat sich wohl die FIFA damit begnügt, nur die erste Strophe abzuspielen, denn sonst wäre das Spiel wohl etwas später losgegangen. Denn: nach Wikipedia hat "Het Wilhelmus" 15 (!) Strophen. Da wären wir wohl um neun noch nicht fertig gewesen.
Zum Spiel, oder besser gesagt zu den Fans, die das Spiel angeschaut haben: Bekanntlich leiden Fans ja unter einem Realitätsverlust. So auch in Delft: Da pflügt ein niederländischer Spieler seinen spanischen Gegner in Grund und Boden, und der Schiri hat dann die Frechheit, doch tatsächlich eine gelbe Karte zu zeigen. Dabei weiss doch jeder (zumindestens in Delft auf dem Marktplatz), dass das doch alles grundehrliche Jungs sind, die nun eben mit einem schlecht gelaunten, blinden, herzlosen Schiedsrichter gestraft sind. Aber als der Wind eines vorbeieilenden spanischen Spielers nur das Trikot eines Oranje bewegt, da schrien tausend Kehlen "rood!". Natürlich waren alle Zuschauer hier auch die besseren Schiedsrichter.
Die fiale Erkenntnis meiner Feldforschung: Den Weltmeisterpokal in den Händen der Spanier zu sehen, scheint den meisten Holländern physischen Schmerz zu bereiten. Denn kaum war der Schlusspfiff ertönt, da schaltete der Wirt in unserem Cafe mit einem "Das kann ich mir beim besten Willen nicht ansehen"-Ausdruck auf dem Gesicht den Fernseher aus. Auch unser Versuch im Nachbarlokal weiterzuschauen fand ein vorzeitiges Ende -- hier war es ein Gast, der den Stecker zog.
Jetzt bin ich noch gespannt auf meine beiden Mitbewohner (sind gerade im Urlaub bzw. auf Praktikum). Denn der eine ist Spanier, der andere Holländer. Mal sehen ob die noch miteinander reden...
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Donnerstag, 4. Februar 2010
Eine Delfter Erfindung
Es gibt Erfindungen, die wohl nur in gewissen Ländern gemacht werden können. Denn woanders würde die Idee wohl als totale Rotzidee der Selbstzensur zum Opfer fallen. Wie zum Beispiel diese Erfindung, die wohl nur in den Niederlanden gemacht werden konnte:
Ein Frachtfahrrad (siehe auch vrachtfiets.nl), mit dem man seinen Möbeleinkauf nach Hause fahren kann. Denn was machen die Leute, die Umziehen wollen aber weder einen Führerschein noch Freunde mit einem selbigen haben? Das war wohl die Ursprungsfrage, die zu dieser praktischen aber doch sehr niederländischen Erfindung zweier Industriedesign-Studenten meiner Uni geführt haben muss.
Ein Frachtfahrrad (siehe auch vrachtfiets.nl), mit dem man seinen Möbeleinkauf nach Hause fahren kann. Denn was machen die Leute, die Umziehen wollen aber weder einen Führerschein noch Freunde mit einem selbigen haben? Das war wohl die Ursprungsfrage, die zu dieser praktischen aber doch sehr niederländischen Erfindung zweier Industriedesign-Studenten meiner Uni geführt haben muss.
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Montag, 11. Januar 2010
Schnee und Eis -- sneeuw en ijs
Der Winter hat Europa ja im Moment auch fest im Griff -- auch die Niederlande. Seit der Woche vor Weihnachten liegt hier Schnee, eigentlich etwas total ungewöhnliches. Denn normalerweise (wenn ich jetzt mal von den letzten beiden Wintern als "normal" ausgehen darf) fallen hier die Temperaturen nicht unter den Gefrierpunkt. Und jetzt: Schnee und Eis, das volle Programm. Und da hier niemand wirklich darauf vorbereitet war, eben auch Chaos -- ein Kollege von mir, Toni, kam drei Tage später zu Hause in Spanien an als geplant.
Aber so eine Stadt in Schnee und Eis ist trotzdem viel schöner als die Alternative -- Delft im Dauernieselregen. Beispiel gefällig? Guckst du hier:

Das ist übrigens die Delftse Schie, bei mir um die Ecke. Und natürlich, da es jetzt ordentlich kalt ist, können die Holländer auch ihrem anderen nationale Hobby fröhnen, dem Eislaufen (das andere wäre ja halsbrecherisch auf Fahrrädern rumkurven):
Aber so eine Stadt in Schnee und Eis ist trotzdem viel schöner als die Alternative -- Delft im Dauernieselregen. Beispiel gefällig? Guckst du hier:

Das ist übrigens die Delftse Schie, bei mir um die Ecke. Und natürlich, da es jetzt ordentlich kalt ist, können die Holländer auch ihrem anderen nationale Hobby fröhnen, dem Eislaufen (das andere wäre ja halsbrecherisch auf Fahrrädern rumkurven):
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Mittwoch, 16. Dezember 2009
Google-certified expert
Anscheinend bin ich bei Google als Experte für die Deltawerke (die Sturmflutwehre hier in den Niederlanden -- Oosterschelde-Damm, Maaslantkering, Ijsselmeerdamm und so weiter) bekannt. Zwar habe ich anfang des Jahres mal einen kleinen Artikel darüber geschrieben, doch als Deltawerke-Experte bin ich total unqualifiziert. Auf jeden Fall trudelte heute wieder einmal eine Email einer Schülerin (Studentin?) bei mir ein, mit der Bitte, bei einem Referat zu den besagten Deltawerken zu helfen. Helfen tu ich gern, doch -- wie gesagt -- Experte bin ich sicherlich keiner. Zwar habe ich als Kind im Sandkasten etliche Kubikmeter Wasser verbraucht, doch damit hat es sich schon mit meiner Expertise in Sachen "Sand trocken halten".
Ich frage mich nur, wieso mein Artikel bei Google so weit oben landet -- sucht man zum Beispiel nach "Deltawerke Deiche", so bin ich der erste Treffer. Der entsprechende Wikipedia Artikel taucht dagegen erst an drittletzter auf der ersten Trefferseite auf.
Auch frage ich mich, wieso mich jemand für einen Experten auf diesem Gebiet halten kann. Im meinem Blogprofil steht ja, ich sei theoretischer Physiker. Und selbst aus Schulphysikerfahrung sollte man wissen, dass wir Physiker relativ selten was mit Wasser und so zu tun haben. Und bisher habe ich ja auch erst einmal was dazu geschrieben...
Naja, für mich ist das doch gewissermaßen ein Beweis dafür, dass viele Menschen die Qualität einer Informationsquelle nicht einschätzen können. Wikipedia ist doch so viel vertrauensvoller als ein obskurer Blog wie das Bretziversum, wobei natürlich "seriöse" Quellen wie eine richtige Enzyklopädie oder ein Fachbuch natürlich noch viel seriöser sind. Aber für viele, scheint "war bei Google ziemlich weit oben" schon ein völlig ausreichendes Qualitätskriterium zu sein....
Ich frage mich nur, wieso mein Artikel bei Google so weit oben landet -- sucht man zum Beispiel nach "Deltawerke Deiche", so bin ich der erste Treffer. Der entsprechende Wikipedia Artikel taucht dagegen erst an drittletzter auf der ersten Trefferseite auf.
Auch frage ich mich, wieso mich jemand für einen Experten auf diesem Gebiet halten kann. Im meinem Blogprofil steht ja, ich sei theoretischer Physiker. Und selbst aus Schulphysikerfahrung sollte man wissen, dass wir Physiker relativ selten was mit Wasser und so zu tun haben. Und bisher habe ich ja auch erst einmal was dazu geschrieben...
Naja, für mich ist das doch gewissermaßen ein Beweis dafür, dass viele Menschen die Qualität einer Informationsquelle nicht einschätzen können. Wikipedia ist doch so viel vertrauensvoller als ein obskurer Blog wie das Bretziversum, wobei natürlich "seriöse" Quellen wie eine richtige Enzyklopädie oder ein Fachbuch natürlich noch viel seriöser sind. Aber für viele, scheint "war bei Google ziemlich weit oben" schon ein völlig ausreichendes Qualitätskriterium zu sein....
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Sonntag, 13. Dezember 2009
Delft Bouwt
Jedesmal wenn ich in den letzten Wochen zum Delfter Bahnhof gelaufen bin, gab es neue Überraschungen denn "Delft bouwt" (Delft baut). Im Moment verläuft die Bahnlinie noch auf einem Viadukt an der Altstadt vorbei, doch dieser soll jetzt durch einen Eisenbahntunnel entlang der selben Strecke ersetzt werden. Nun, in einem Land, wo man spätestens nach 30 Zentimetern graben auf Grundwasser stößt, wahrlich kein triviales unterfangen.
Bis jetzt wurden zwei komplette Strassenblocks um den Bahnhof herum abgerissen und einen Teil der Strassenbahnlinie nach Den Haag verlegt. Ausserdem wird gerade an einem neuen Busbahnhof gewerkelt, denn dort, wo er sich jetzt gerade befindet, wird ja irgendwann das große Loch für unseren neuen Super-Duper-Untergrudbahnhof ausgehoben. Wobei ich jetzt nicht weiss, ob ich das noch während meiner Doktorandenzeit in Delft erleben werde -- das ganze Projekt ist auf 10 Jahre Bauzeit angelegt.
Bis jetzt wurden zwei komplette Strassenblocks um den Bahnhof herum abgerissen und einen Teil der Strassenbahnlinie nach Den Haag verlegt. Ausserdem wird gerade an einem neuen Busbahnhof gewerkelt, denn dort, wo er sich jetzt gerade befindet, wird ja irgendwann das große Loch für unseren neuen Super-Duper-Untergrudbahnhof ausgehoben. Wobei ich jetzt nicht weiss, ob ich das noch während meiner Doktorandenzeit in Delft erleben werde -- das ganze Projekt ist auf 10 Jahre Bauzeit angelegt.
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Dienstag, 8. Dezember 2009
Marcus Miller "Tutu" live @ Paradiso
Wie schon im Titel zu ersehen: Gestern war ich in Amsterdam bei einem Konzert von Marcus Miller -- "Ätsch!!" für alle, die ihn auch klasse finden und noch nicht live gesehen haben. Für den ignoranenten Rest, hier erst einmal eine Kurzerklärung wieso er sehenswert ist: Marcus Miller ist einer der einflussreichsten E-Bassisten des Jazz und ein Pionier der Slapping-Technik (wo die Saiten mit dem Daumen angerissen werden, was eben ein sehr funky, perkussiven Sound ergibt) und nebenbei noch ein sehr gefragter Studiomusiker -- Wikipedia redet von über 500 Aufnahmen, auf denen er zu hören sein soll. Unter anderem hat Marcus Miller auch zwei der letzten Alben von Miles Davis produziert -- Tutu und Amandla.
Soviel zur Einleitung. Auf jeden Fall bin ich gestern mit einer handvoll Freunde nach A'dam gefahren um ihn live zu sehen. Nun, um halb neun kreuzten tauchten ersteinmal drei Jungs auf der Bühne auf, die aussahen, als wären sie gerade erst der Schule entsprungen -- drei viertel der Backingband (Drums, Saxophon & Trompete), verstärkt von einem Keyborder, der vom Aussehen auch als Steuerbeamter durchgehen könnte und dann eben Gott himself. Die ersten drei Lieder -- die Tour heisst ja nicht umsonst "Tutu Revisited" -- kamen dann auch direkt von "Tutu". Aber im Vergleich zum Album wurden die Beiträge des Trompeters ein bisschen zurückgefahren und dafür ein paar Basssoli eingebaut -- schließlich ist ja Miller hier der Boss und der Trompeter blosser sideman (im Gegensatz zum Album..). Nun gut, der Band sah man ihre Spielfreude an, insbesondere der Schlagzeuger hatte wohl einen Clown zum Abendessen verspeist. Zumindestens hab ich es bisher noch nicht gesehen, dass ein Schlagzeuger während seines Solos (!) demonstrativ einen Schluck aus seiner Wasserflasche trinkt. Auf jeden Fall, absolut top. Die Soli nicht zu lang, die Songs immer noch erkennbar (Ausnahme: Prince's "When doves cry" hab ich erst nach ein paar Minuten erkannt..) aber zum Teil überraschend umrangagiert.
Und genau das liebe ich ja eigentlich auch an Jazz, dass man durch Improvisation und Umrangieren bekannte Lieder immer wieder total überraschend sein können. Denn um ein Stück so wie auf Platte hören zu wollen, muss man ja nicht auf ein Konzert gehen. Da kann man ja genauso gut daheim bleiben.
Nun, nach über zwei Stunden, zwei Zugaben (unter anderem "P.Y.T." von Michael Jackson's Thriller als Hommage an den King of Pop) war dann doch leider Schluss. Von mir aus hätte er noch ewig weiterspielen können.
Soviel zur Einleitung. Auf jeden Fall bin ich gestern mit einer handvoll Freunde nach A'dam gefahren um ihn live zu sehen. Nun, um halb neun kreuzten tauchten ersteinmal drei Jungs auf der Bühne auf, die aussahen, als wären sie gerade erst der Schule entsprungen -- drei viertel der Backingband (Drums, Saxophon & Trompete), verstärkt von einem Keyborder, der vom Aussehen auch als Steuerbeamter durchgehen könnte und dann eben Gott himself. Die ersten drei Lieder -- die Tour heisst ja nicht umsonst "Tutu Revisited" -- kamen dann auch direkt von "Tutu". Aber im Vergleich zum Album wurden die Beiträge des Trompeters ein bisschen zurückgefahren und dafür ein paar Basssoli eingebaut -- schließlich ist ja Miller hier der Boss und der Trompeter blosser sideman (im Gegensatz zum Album..). Nun gut, der Band sah man ihre Spielfreude an, insbesondere der Schlagzeuger hatte wohl einen Clown zum Abendessen verspeist. Zumindestens hab ich es bisher noch nicht gesehen, dass ein Schlagzeuger während seines Solos (!) demonstrativ einen Schluck aus seiner Wasserflasche trinkt. Auf jeden Fall, absolut top. Die Soli nicht zu lang, die Songs immer noch erkennbar (Ausnahme: Prince's "When doves cry" hab ich erst nach ein paar Minuten erkannt..) aber zum Teil überraschend umrangagiert.
Und genau das liebe ich ja eigentlich auch an Jazz, dass man durch Improvisation und Umrangieren bekannte Lieder immer wieder total überraschend sein können. Denn um ein Stück so wie auf Platte hören zu wollen, muss man ja nicht auf ein Konzert gehen. Da kann man ja genauso gut daheim bleiben.
Nun, nach über zwei Stunden, zwei Zugaben (unter anderem "P.Y.T." von Michael Jackson's Thriller als Hommage an den King of Pop) war dann doch leider Schluss. Von mir aus hätte er noch ewig weiterspielen können.
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Donnerstag, 26. Februar 2009
Kreationismus -- Jetzt auch hier
Bisher habe ich gedacht, Kreationisten (d.h. Leute, die glauben Gott habe die Welt in sechs Tagen erschaffen und sich dann am siebten Tag erst einmal ausgeruht) gäbe es nur in den USA bzw. Kreationisten hier seien eine zu vernachlässigende Randgruppe. Hm, so kann man sich täuschen. Zumindestens gibt es hier in den Niederlanden eine Gruppe "Bijbel en Onderwijs" (Bibel und Bildung), die reich genug ist, um alle Haushalte eine Broschüre mit dem ”Evolutie of Schepping – Wat geloof jij?” (Evolution oder Schöpfung -- Was glaubst du?) zu schicken. Lockere 6,5 Millionen Exemplare, Kostenpunkt: 250.000 Euro. Leider ist diese Broschüre bei mir noch nicht aufgetaucht -- oder einer meiner Mitbewohner hat sie sich unter den Nagel gerissen. Marnix, mein Bürokollege, hat sein Exemplar noch irgendwo herumfliegen und will es morgen mitbringen. Bin ja schon gespannt, ob die holländischen Evolutionskritiker etwas logischere Argumente als ihre Kollegen in den USA haben. Darauf wetten würde ich allerdings nicht.
Es gibt auch schon eine Gegenaktion dazu, mit einem passenden Sticker für die Haustür:

Der Aufkleber ist einem hier in Holland weit verbreiteten "Werbung Nein -- Post gerne" Aufkleber nachempfunden und soll eben den Briefkasten von zukünftigen kreationistischen Heimsuchungen freihalten.
Es gibt auch schon eine Gegenaktion dazu, mit einem passenden Sticker für die Haustür:

Der Aufkleber ist einem hier in Holland weit verbreiteten "Werbung Nein -- Post gerne" Aufkleber nachempfunden und soll eben den Briefkasten von zukünftigen kreationistischen Heimsuchungen freihalten.
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Sonntag, 18. Januar 2009
Wenn die Deiche brechen.... oder: Deltawerke 2.0
In der aktuellen Ausgabe des Wired Magazines findet sich ein interessanter Artikel über den Küstenschutz in den Niederlanden. Genaugenommen konzentriert sich der Artikel auf die geplanten (und wohl auch notwendigen) Massnahmen, um dem durch den Klimawandel steigenden Meeresspiegel und den stärker werdenden Stürmen ein Schnippchen zu schlagen -- sozusagen Deltawerke 2.0.
Die Deltawerke wurden ja nach der verheerenden Flut von 1953 (1835 Tote in den Niederlanden) in Angriff genommen, um durch eine Verkürzung der Küstenlinie und Verstärkung der Seedeiche solche Katastrophen in der Zukunft unwahrscheinlicher werden zu lassen. Die berühmtesten Bauwerke sind wohl der Oosterschelde-Damm sowie das Maeslant-Sturmflutwehr (Maeslantkering), welches den Hafen von Rotterdam im Falle einer Sturmflut verschliessen soll. Obwohl die Deltawerke erst vor knapp zehn Jahren durch die Fertigstellung der Maeslantkering abgeschlossen wurden, scheint es schon jetzt wieder an der Zeit zu sein, weitere Massnahmen zu ergreifen um die Niederlande für die nächsten 100, 200 Jahre flutsicher zu machen. Dazu gehören so gigantisch anmutende Pläne wie vor der gesamten Dünenküste einen mehrere hundert Meter breiten Streifen Sand aufzuspülen und den Wasserspiegel des Ijsselmeeres anzuheben.
Ich fand noch interessant, dass nach offizieller niederländischer Politik nicht alle Seedeiche den gleichen Anforderungen entsprechen, sondern je stärker sind desto wertvolleres Land sie schützen. D.h. während die Deiche bei mir in der Gegend (in der Randstad, Rotterdam, Leiden, Den Haag, Utrecht, Amsterdam) am besten sind (man geht von einem Versagen einmal in 10000 Jahren aus -- hoffentlich sind diese 100000 Jahre nicht vor 2011 zu Ende), sind andere Gebiete (will heissen ländliche) weniger gut geschützt.
Die Deltawerke wurden ja nach der verheerenden Flut von 1953 (1835 Tote in den Niederlanden) in Angriff genommen, um durch eine Verkürzung der Küstenlinie und Verstärkung der Seedeiche solche Katastrophen in der Zukunft unwahrscheinlicher werden zu lassen. Die berühmtesten Bauwerke sind wohl der Oosterschelde-Damm sowie das Maeslant-Sturmflutwehr (Maeslantkering), welches den Hafen von Rotterdam im Falle einer Sturmflut verschliessen soll. Obwohl die Deltawerke erst vor knapp zehn Jahren durch die Fertigstellung der Maeslantkering abgeschlossen wurden, scheint es schon jetzt wieder an der Zeit zu sein, weitere Massnahmen zu ergreifen um die Niederlande für die nächsten 100, 200 Jahre flutsicher zu machen. Dazu gehören so gigantisch anmutende Pläne wie vor der gesamten Dünenküste einen mehrere hundert Meter breiten Streifen Sand aufzuspülen und den Wasserspiegel des Ijsselmeeres anzuheben.
Ich fand noch interessant, dass nach offizieller niederländischer Politik nicht alle Seedeiche den gleichen Anforderungen entsprechen, sondern je stärker sind desto wertvolleres Land sie schützen. D.h. während die Deiche bei mir in der Gegend (in der Randstad, Rotterdam, Leiden, Den Haag, Utrecht, Amsterdam) am besten sind (man geht von einem Versagen einmal in 10000 Jahren aus -- hoffentlich sind diese 100000 Jahre nicht vor 2011 zu Ende), sind andere Gebiete (will heissen ländliche) weniger gut geschützt.
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Samstag, 22. November 2008
Niederlande = Deichlande
Heute haben es die Niederlande -- genauer gesagt die Region um Amsterdam -- in die Rubrik "Satellitenbild der Woche" (hier das Bild, dort der Artikel dazu) bei Spiegel Online geschafft. In der rechten oberen Ecke des Satellitenbildes sieht man Flevoland, die jüngste Provinz der Niederlande (erst im letzten Jahrhundert eingepoldert) und Heimat meines Kollegen Marnix. Weiter links folgt das Ijsselmeer, an dessen Südende Amsterdam liegt (gut zu erkennen sind auch die Startbahnen von Amsterdam-Schiphol und der Nordseekanal). Ganz unten links kann man noch Teile von Den Haag erkennen -- Delft hat es leider nicht mehr auf die Aufnahme geschafft, würde jedoch etwas rechts unterhalb von Den Haag zu finden sein.
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Montag, 17. November 2008
Digitales Nirvana
Das Internet ist schon eine tolle Sache, erlaubt es doch einfach und schnell mit anderen Leuten Kontakt aufzunehmen -- zumindestens in der Theorie. Folgender Fall: Letzten Donnerstag habe ich mir wohl beim Abendessen meine (einzige) Zahnfüllung verloren. Gleich danach mal schnell nach einem Zahnarzt gegoogelt -- ich hatte noch nicht das Vergnügen, einen holländischen Zahnarzt zu konsultieren -- und auch einen mit -- sehr lobenswert -- englischer Homepage und noch dazu in der Nachbarschaft gefunden. Schnell das Kontaktformular ausgefüllt, inklusive einer Bitte nach einem baldigen Termin wegen besagtem Problem und abgeschickt. Nun, zurückgekommen ist ausser einer automatischen Bestätigungsmail bisher noch nichts. Wieso meinen Leute, es sei genug einmal eine super-duper Seite ins Netz zu stellen ohne sie zu pflegen oder eben auf Kontaktanfragen via eben dieser Homepage zu reagieren? Keine Ahnung, doch meiner Meinung nach ist das der wichtigere Teil der ganzen Internetgeschichte. Nun gut, ich bin immer noch auf der Suche nach einem Zahnarzt, da es hier anscheinend nicht allzuviele gibt, die noch Patienten aufnehmen. Aber für die weiteren Kontaktaufnahmen werde ich wieder zum altbewährten Telefon greifen, denn dort gehen Nachrichten normalerweise nicht in einem digitalen Nirvana verloren.
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Samstag, 17. Mai 2008
Bouwkunde Update
Inzwischen hat sich die Neuigkeit, dass bei uns die Architekturfakultät abgebrannt ist bis zu Spiegel Online herumgesprochen. Also laut Spiegel Online hat ein Wasserrohrbruch ein Kurzschluss in einem Kaffeeautomat verursacht, was ungefähr eine Mischung aus den beiden Theorien ist, die bei uns herumgehen. Frag mich nur, ob die mehr wissen als wir.
Heute hab ich es dann mal geschafft, zur Bouwkunde hinunterzuradeln und mal ein Foto zu machen. Sieht schon krass aus.

Ab Montag soll das ganze dann abgerissen werden. Ach ja, ein Teil der Architekten sind jetzt ersteinmal notdürftig bei uns im Physikgebäude untergekommen.
Heute hab ich es dann mal geschafft, zur Bouwkunde hinunterzuradeln und mal ein Foto zu machen. Sieht schon krass aus.

Ab Montag soll das ganze dann abgerissen werden. Ach ja, ein Teil der Architekten sind jetzt ersteinmal notdürftig bei uns im Physikgebäude untergekommen.
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Dienstag, 13. Mai 2008
Gefährliche Kaffeemaschinen
Demnächst kann man wahrscheinlich in Delft folgende Anzeige in der Zeitung lesen:
Glücklicherweise scheinen bei dem Brand keine Menschen(holländisch: slachtoffers, kein Scherz!) zu Schaden gekommen zu sein. Wer das ganze aus einer vertrauensvolleren Quelle als dem Bretziversum erfahren möchte, kann sich vertrauensvoll an den Volkskrant wenden.
Nette Fakultät, sowohl künstlerisch als auch technisch veranlagt, manchmal etwas statisch, sucht ab sofort neues Zuhause.Was ist passiert? Nun, heute morgen gegen halb zehn ist eben im Gebäude der Architekten ein Feuer ausgebrochen, nach einer Version durch einen Kurzschluss einer Kaffeemaschine in einer der Kaffeecken. Daher die gefährlichen Kaffeemaschinen im Titel. Ich weiss schon, weshalb ich Tee trinke! Um die Geschichte kurz zu machen, die Feuerwehr konnte den Brand nicht löschen und am Nachmittag wurden dann die Löscharbeiten eingestellt, weil das Gebäude als einsturzgefährdet galt. Tatsächlich ist es dann auch heute abend irgendwann, während ich im Vortrag unseres japanischen Gastes sass, ein Teil des Gebäudes eingestürzt. Siehe dazu dieses Video (Tipp: ab ca. 1 Minute wird es interessant):
Glücklicherweise scheinen bei dem Brand keine Menschen(holländisch: slachtoffers, kein Scherz!) zu Schaden gekommen zu sein. Wer das ganze aus einer vertrauensvolleren Quelle als dem Bretziversum erfahren möchte, kann sich vertrauensvoll an den Volkskrant wenden.
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Montag, 12. Mai 2008
Perfekt getarnt mit oranger Windjacke
Eigentlich bin ich ja jetzt schon viel zu spät dran, aber ich muss trotzdem noch die Ergebnisse meiner jüngsten anthropologischen Feldforschungen loswerden, nämlich meine persönlichen Eindrücke zum Königinnentag oder vielmehr zur Nacht davor, der Königinnennacht.
Vielleicht ein paar Vorbemerkungen zum Thema Koninginnedag (Königinnentag, 30. April) bzw. Koninginnenach (Königinnennacht, der Abend vor Koninginnedag): Fakt Nummer eins: Genaugenommen hat Beatrix Ende Januar Geburtstag, was jedoch der Geburtstagsfeierlaune Ende April nicht schadet. Damit tut sich neben dem Zwang, jegliches Essen frittieren zu müssen, eine weitere Parallele zu Grossbritannien auf. Denn auch die Queen hat zu einer meteorologisch ungünstigen Zeit Geburtstag. Fakt Nummer zwei: In der Nacht auf den Königinnentag findet in Den Haag -- sozusagen zum Vorglühen -- die Koninginnenach statt, eine Art kollektives Ausflippen in Orange bei kostenlosen Open-Air-Konzerten.
Nun, am besagten Abend war ich mit zwei meiner Kollegen, Giorgi und Chris, unserem italienischen Gast, Stefano, sowie Chris' Frau Vanessa und ihrer Freundin Lisette in Den Haag unterwegs. Schon am Bahnhof sahen wir die ersten Leute mit orangenen Perücken, Fussballtrikots oder mit in den Nationalfarben geschminkten Gesichtern. Wir sind dann einfach mal los, und sind dann halt bei der erstbesten Bühne stehen geblieben - natürlich hat sich keiner von uns die Mühe gemacht, ein Programm zu konsultieren. Nachdem wir das Ende des Soundchecks brav abgewartet hatten, traten dann ein paar Milchbubis (wirklich, höchstens fünfzehn oder so waren die) auf die Bühne und legten los. Um es mit meinem alten Englischlehrer zu sagen: Mein Rat an sie ist, "it's a long way - start walking". Auf jeden Fall hörten sich alle Lieder (es ging definitiv in Richtung Punk) gleich an... Nun, nach dem zweiten oder dritten Song kam dann Giorgis Vorschlag "Maybe the music becomes better if we have a beer". Naja, auch durch Bier (oder in meinem Fall Cola) wurde die Musik nicht besser und so machten wir uns auf die Suche nach der nächsten Bühne, wo wir in der Tat eine klasse Bluesrock-Gruppe sahen (leider weiss ich ihren Namen nicht mehr). Danach klapperten wir alle restlichen Bühnen ab, ohne etwas wirklich überzeugendes zu finden. Auch war unser Versuch, irgendeinen Sitzplatz in einer Kneipe zu finden zum Scheitern verurteilt, da alle Kneipen mit Leuten, die zum Teil in nicht unerheblichen Mass berauscht und/oder orange waren, genagelt voll waren. So landeten wir schlussendlich bei der Bühne-wo-die-Blues-Band-gespielt-hatte und sahen dort noch eine Punk-Rock-Gruppe ebenfalls unbekannten Namens. So um halb eins meinte dann der Säger, dies wäre ihr letztes Stück. Aber entweder hat er diese Bemerkung gleich wieder vergessen oder er musste sie nur aus "rechtlichen" Gründen äußern. Auf jeden Fall ging es danach noch eine dreiviertel Stunde weiter.

Schlussendlich haben Giorgi, Stefano und ich dann noch den Zug nach Delft verpasst, weshalb wir noch eine halbe Stunde in Den Haag Centraal Station warten durften. Dafür hatten wir auf den fünfzehn Minuten Heimfahrt dann musikalische Untermalung von einer Gruppe mehr oder weniger betrunkenen Teenagern, die sich durch sämtliche holländischen Geburtstagslieder durchsingen mussten. Um viertel drei war ich dann endlich daheim.
Vielleicht ein paar Vorbemerkungen zum Thema Koninginnedag (Königinnentag, 30. April) bzw. Koninginnenach (Königinnennacht, der Abend vor Koninginnedag): Fakt Nummer eins: Genaugenommen hat Beatrix Ende Januar Geburtstag, was jedoch der Geburtstagsfeierlaune Ende April nicht schadet. Damit tut sich neben dem Zwang, jegliches Essen frittieren zu müssen, eine weitere Parallele zu Grossbritannien auf. Denn auch die Queen hat zu einer meteorologisch ungünstigen Zeit Geburtstag. Fakt Nummer zwei: In der Nacht auf den Königinnentag findet in Den Haag -- sozusagen zum Vorglühen -- die Koninginnenach statt, eine Art kollektives Ausflippen in Orange bei kostenlosen Open-Air-Konzerten.
Nun, am besagten Abend war ich mit zwei meiner Kollegen, Giorgi und Chris, unserem italienischen Gast, Stefano, sowie Chris' Frau Vanessa und ihrer Freundin Lisette in Den Haag unterwegs. Schon am Bahnhof sahen wir die ersten Leute mit orangenen Perücken, Fussballtrikots oder mit in den Nationalfarben geschminkten Gesichtern. Wir sind dann einfach mal los, und sind dann halt bei der erstbesten Bühne stehen geblieben - natürlich hat sich keiner von uns die Mühe gemacht, ein Programm zu konsultieren. Nachdem wir das Ende des Soundchecks brav abgewartet hatten, traten dann ein paar Milchbubis (wirklich, höchstens fünfzehn oder so waren die) auf die Bühne und legten los. Um es mit meinem alten Englischlehrer zu sagen: Mein Rat an sie ist, "it's a long way - start walking". Auf jeden Fall hörten sich alle Lieder (es ging definitiv in Richtung Punk) gleich an... Nun, nach dem zweiten oder dritten Song kam dann Giorgis Vorschlag "Maybe the music becomes better if we have a beer". Naja, auch durch Bier (oder in meinem Fall Cola) wurde die Musik nicht besser und so machten wir uns auf die Suche nach der nächsten Bühne, wo wir in der Tat eine klasse Bluesrock-Gruppe sahen (leider weiss ich ihren Namen nicht mehr). Danach klapperten wir alle restlichen Bühnen ab, ohne etwas wirklich überzeugendes zu finden. Auch war unser Versuch, irgendeinen Sitzplatz in einer Kneipe zu finden zum Scheitern verurteilt, da alle Kneipen mit Leuten, die zum Teil in nicht unerheblichen Mass berauscht und/oder orange waren, genagelt voll waren. So landeten wir schlussendlich bei der Bühne-wo-die-Blues-Band-gespielt-hatte und sahen dort noch eine Punk-Rock-Gruppe ebenfalls unbekannten Namens. So um halb eins meinte dann der Säger, dies wäre ihr letztes Stück. Aber entweder hat er diese Bemerkung gleich wieder vergessen oder er musste sie nur aus "rechtlichen" Gründen äußern. Auf jeden Fall ging es danach noch eine dreiviertel Stunde weiter.

Schlussendlich haben Giorgi, Stefano und ich dann noch den Zug nach Delft verpasst, weshalb wir noch eine halbe Stunde in Den Haag Centraal Station warten durften. Dafür hatten wir auf den fünfzehn Minuten Heimfahrt dann musikalische Untermalung von einer Gruppe mehr oder weniger betrunkenen Teenagern, die sich durch sämtliche holländischen Geburtstagslieder durchsingen mussten. Um viertel drei war ich dann endlich daheim.
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Ich bin seit Juni 2007 Doktorand an der TU Delft, Niederlande. Neben (theoretischer) Physik interessiere ich mich für Politik, Bücher aller Art und Radfahren. Für weiteres, siehe meine