Stefans Abenteuer im Land der fehlenden Berge und in der Physik
Über mich
StefanIch bin seit Juni 2007 Doktorand an der TU Delft, Niederlande. Neben (theoretischer) Physik interessiere ich mich für Politik, Bücher aller Art und Radfahren. Für weiteres, siehe meine Homepage.

Mittwoch, 10. November 2010

Zum Glück Naturwissenschaftler!

Gerade stolpere ich bei Spargel Online über einen Artikel über die Uni Konstanz: Die Uni-Bibliothek (als vielgereister Kritiker von Universitätsbibliotheken immer noch meine liebste) ist bis auf weiteres geschlossen -- asbestverseucht ist sie (siehe Spargel Online hier, Südkurier hier, da, dort und dort). Als langjähriger Bewohner der naturwissenschaftlichen Bibliothek wusste ich schon immer, dass "unsere" Bib die schönere Bibliothek in Konstanz war. Und jetzt kommt noch ein weiterer Grund dazu: die Luft in der N-Bib ist wohl gesünder -- denn dort wurde (noch?) kein Asbest gefunden.

In Konstanz gab es immer das Gerücht, es gebe Exkursionen der Architekturstudenten von der FH an die Uni, um zu studieren, was so gebaut wurde wie es eigentlich nicht gebaut werden hätte sollen bzw. dürfen. Falls es in der Tat solche Exkursionen gibt, kann nun ein weiterer Programmpunkt hinzugefügt werden: Asbest in der Bibliothek verbauen ist keine gute Idee -- außer man will ein paar Jahrzehnte später alle Bücher abstauben. Und bei zwei oder so Millionen kann das eine Weile dauern.

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Wirtschaftliches Argument


(von xkcd.com).

Also, wenn die Sonne um die Erde.... Oder: päpstlicher als der Papst

Eigentlich war ich ja immer ein bisschen neidisch auf die Biologen: Diese bekommen ja hin und wieder (unerwünschte) Aufmerksamkeit durch religiöse Fanatiker, die die Evolutionstheorie aus dem Biounterricht verbannen wollen (Stichwort: Intelligent Design, alternativ kann man sich auch via PZ Myer's Pharyngula Blog weiterbilden..). Und wir Physiker? Nichts. Zumindestens nicht in den letzten 250 oder so Jahren. Das ändert sich jetzt jedoch. Denn nun gibt es

Galileo was Wrong. The church was right: First annual conference on geocentrism.
eine Konferenz, die übernächste Woche irgendwo in Indiana stattfinden soll. Wenn ich nichts besseres zu tun hätte, würde ich doch glatt dorthin gehen. Wobei, irgendwie sieht mir die Webseite eher aus wie eine lausig gemachte Werbeseite für ein Buch. Wohl zum Buch gehört dieses Statement:
Galileo Was Wrong is a detailed and comprehensive treatment of the scientific evidence supporting Geocentrism, the academic belief that the Earth is immobile in the center of the universe. Garnering scientific information from physics, astrophysics, astronomy and other sciences, Galileo Was Wrong shows that the debate between Galileo and the Catholic Church was much more than a difference of opinion about the interpretation of Scripture. Scientific evidence available to us within the last 100 years that was not available during Galileo's confrontation shows that the Church's position on the immobility of the Earth is not only scientifically supportable, but it is the most stable model of the universe and the one which best answers all the evidence we see in the cosmos.
So, dieses Buch ist eine detaillierte und umfassende Darstellung der wissenschaftlichen Indizien für Geozentrismus (d.h. dass die Sonne um die Erde....). In diesem Fall wird es ja ziemlich kurz sein. Oder wie erklären es die Autoren, dass wir es mit einem vollkommen falschen Modell geschafft haben, die Bahnen von Raumsonden zum Rande des Sonnensystems auf Jahre im voraus korrekt zu berechnen? Und sonstige "Details", die die moderne Urknalltheorie bestätigen (Hubble Rotverschiebung und kosmische Hintergrundstrahlung anyone?), richtig hinzutricksen. Aber nun ja, was soll man auch in einem Buch über angebliche Wissenschaften erwarten, dessen Hauptautor nur einen Doktor in Theologie hat. Aber sei's drum.

Wenn man sich dann die Vortragsthemen für die Konferenz anschaut, weiss ich nicht, ob ich laut lachen oder mich vor Horror irgendwo verkriechen soll -- "Geocentrism. They know it but they're hiding it" hört sich ja noch nach klassischer Verschwörunstheorie an. Sicher: wir Wissenschaftler sitzen auf einem Berg von Beweisen, die auf ein Geschaffen-in-Sieben-Tagen-Sonne-dreht-sich-um-Erde-Universum hindeuten, aber wir veröffentlichen sie nicht um uns weiterhin Forschungsgelder zu sichern... Oder: "Scientific evidence: Earth in the center of the universe", "Carbon 14 and radiometric dating show young earth"... Da bleibt ja nichts aus dem Gruselkabinett der Pseudowissenschaften ausgespart.